Aus: Ausgabe vom 21.11.2017, Seite 14 / Feuilleton

Für Jimi

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Pflichttermin am Samstag um 0 Uhr auf DLF: »›Castles Made Of Sand‹ – Eine lange Nacht zum 75. Geburtstag von Jimi Hendrix«

Frank Spilker ist Sänger der Hamburger-Schule-Band Die Sterne, hat schon einen Roman verfasst und ist jetzt auch noch Hörspielautor. Sein Radiodebüt, bei dem er selbst die Hauptrolle des Wolfgang spricht, heißt »Zwei ohne Musik« (WDR 2017; Ursendung Di., 19 Uhr, WDR 3 und Wdh. 23 Uhr, 1Live) und handelt von einem Flugzeugabsturz und einer Beziehungskrise. Der Protagonist muss beides erleiden. Genaugenommen blickt Wolfgang, der sich wie die anderen Mitreisenden an Bord der Maschine im Sinkflug befindet, noch einmal auf Erlebnisse mit seiner Freundin Claire (gesprochen von Birgit Minichmayr) zurück.

Man muss hier aber keine Angst vor einem weinerlichen Monolog haben, sondern kann sich auf viel Witz, Ironie und – trotz des Titels – Musik freuen. Neben den absurd-komischen Paardialogen und den schnoddrig gehaltenen Songs, die sich etwa mit der Kritik am »kritischen Konsum« beschäftigen, begeistert auch das unaufdringliche Sci-Fi-Setting der Geschichte. Bemerkbar macht sich das etwa dann, wenn zurückgeblendet wird, wie Claire und Wolfgang jeder für sich in die virtuelle Realität abtauchen, um sich mit Therapeuten-Avataren über ihre Psychospielchen zu beraten. Nicht verpassen!

Nun aber ein wenig erfreuliches Thema. Denn Pflege- und Gesundheitssektor sind von einem steilen Machtgefälle gekennzeichnet. Das ist auch in Kreißsälen nicht anders. Was die Frauen durchmachen müssen, die dort nicht an vertrauenswürdiges Personal geraten, hat Marie von Kuck in ihrem Feature » ›Weinen hilft dir jetzt auch nicht!‹ – Gewalt in der Geburtshilfe« (DLF/WDR 2017; Di., 19.15 Uhr, DLF) aufgearbeitet. Und hier noch mehr Aufarbeitung: Um die Neonaziszene in der DDR geht es in Axel Reitels Feature »Hass auf Heimat – Die rechte Opposition der DDR« (MDR 2011; Mi., 0 Uhr, DLF Kultur).

Verschwörungskrimis gibt es zwar schon genug, werden viele meinen, hier ist noch einer: »Operation Lithos« (WDR 2017; Ursendung Mi., 19 Uhr, WDR 3) von Martin Daske. Selbstredend gibt es darin auch die obligatorischen Geheimorganisationen und die fiktionale Fortschreibung geschichtlicher Ereignisse. Auf der Tour durch die Kulturradios befindet sich zur Zeit der frisch gekürte Gewinner des »Deutschen Hörspielpreises der ARD«: Tomer Gardis von Noam Brusilvosky inszenierte Literaturvorlage »Broken German« (SWR 2017; Mi., 21 Uhr, HR 2 Kultur) – sollte man auf jeden Fall kennen.

Beim »Festival Primeurs« in Saarbrücken wird wieder ein Live-Hörspiel in den Äther geschickt: Sébastien Davids »Schwingungen – Les haut-parleurs« (SR 2017; Ursendung Do., 20 Uhr, SR 2 Kulturradio), in der Übersetzung aus dem kanadischen Französisch von Frank Weigand. Es ist ein Teenagerdrama über den unfreiwilligen Umzug von der Metropole in die Provinz. Zu den Strategien gegen rückschrittliche gesellschaftliche Tendenzen kann man sich in der Sendung »Gegen.Mob.ilisieren – Antifa in Zeiten globaler Krise und Regression« (Fr., 10 Uhr, FSK) informieren. Lothar Trolle hat sein neues Stück »Epitaph für Sally Epstein« (RBB/Deutschlandradio 2017; Ursendung Fr., 22 Uhr, RBB Kulturradio) dem von den Nazis ermordeten jüdischen Kommunisten gewidmet, der 1935 in einem Schauprozess der Beteiligung an dem Tod Horst Wessels bezichtigt wurde. Und Dirk Laucke legt mit »Ein paar Dinge, die ich loswerden wollte« (SWR 2017; Ursendung So., 18.20 Uhr, SWR 2) ein hochkomisches Hörspiel über das Bitterfeld der frühen Nuller Jahre vor. Auch toll: Michael Franks »›Castles Made Of Sand‹ – Eine lange Nacht zum 75. Geburtstag von Jimi Hendrix« (DLF/DLF Kultur 2017; Ursendung Sa., 0 Uhr, DLF Kultur und Wdh. 23 Uhr, DLF).


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