Aus: Ausgabe vom 21.11.2017, Seite 8 / Ansichten

Fassungsloser des Tages: Winfried Kretschmann

Von Anselm Lenz
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Lud zum Finale in die Vertretung des Landes Baden-Württemberg ein: Landesherr Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen). Genützt hat es nun nichts, »fassungslos« sei er.

»Mit dir, guter alter Freund«, hatte Horst Seehofer geraunt, »könnte ich immer eine Koalition machen.« Es war, als brummten die Motoren aus bajuwarisch-schwäbischer Koproduktion tief und behaglich, als sich die beiden in die Arme schlossen: »Isch kei Problem, dis packet mer«, gluckste Winfried Kretschmann.

Die letzten Meter Feldweg nach Deutsch-Jamaika sollten in der ständigen Vertretung des Landes Baden-Würtemberg in Berlin genommen werden. Hier wollte Kretschmann die Aufmüpfigen zur Staatsräson bringen, den Jürgen und den Anton. Und zunächst schien unter Aufsicht des Hausherrn aus Stuttgart endlich zusammenzuwachsen, was wochenlang auf dem zugigen Balkon der Parlamentarischen Gesellschaft noch nicht so recht zusammengehören wollte. Am Sonntag war zu vernehmen, die Bündnisgrünen würden sich auf weitere »sichere Drittstaaten« einlassen und auch beim Klimaschutz der deutschen Industrie »Luft zum Atmen lassen«.

Doch dann das: Christian Linder, Obmann der FDP, zog scharf rechts an Seehofer vorbei und verließ am Sonntag kurz vor der Geisterstunde das Gebäude. »Sogar schädlich« sei das alles, fiel dem Berufsjugendlichen auf dem AfD-Trip ein. Jamaika? Er möchte weiter weg, auf die Caymans oder gen Macron. Der »grüne« Statthalter des gut in die BRD-Wirtschaft integrierten Landes war fassungslos. »Ich bin fassungslos«, sagte er folgerichtig. Es wird keine »schwarze Ampel« geben.

Neuwahlen sind teuer; ausgeruhte Sondierer gäbe es jetzt noch bei der SPD (große Koalition ohne Merkel) und bei der AfD (Hindenburg-Koalition ohne Merkel). Immerhin: Die Gefahr eines »R2G«-Regierungsbündnisses droht im neuen Bundestag nicht mehr.

Ein Juso, der namentlich nicht genannt werden möchte, sagte in der Nähe des Karl-Liebknecht-Hauses in Berlin: »Die Schwampel tut mir so leid, ich geh’ bei rot.« Für die finstere Jahreszeit: Gesundheit, langes Leben, Rotfront und Gottes Segen!


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