Aus: Ausgabe vom 20.11.2017, Seite 2 / Ausland

Verwirrspiel geht weiter

Libanesischer Ministerpräsident Hariri in Paris eingetroffen

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Der französische Präsident Emmanuel Macron (links) und der libanesische Ministerpräsident Saad Al-Hariri (hinten rechts) beim Kaffeeklatsch im Elysée-Palast

Der unter mysteriösen Umständen zurückgetretene libanesische Ministerpräsident Saad Al-Hariri ist am Samstag, aus Saudi-Arabien kommend, in Paris eingetroffen. Nach einem Treffen mit dem französischen Staatschef Emmanuel Macron kündigte er an, zum Unabhängigkeitstag am Mittwoch in seine Heimat zurückkehren zu wollen. Er werde sich dort nach einem Gespräch mit dem libanesischen Präsidenten Michel Aoun erklären, so Hariri.

Noch kurz vor seiner Abreise aus Saudi-Arabien hatte Hariri Äußerungen von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) zurückgewiesen. Dieser hatte sich am Donnerstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem libanesischen Außenminister Dschibran Bassil überrascht über die Art und Weise von Hariris Rücktritt geäußert. Saudi-Arabien berief wegen Gabriels Äußerungen seinen Botschafter aus Berlin zu Konsultationen zurück.

Am 4. November hatte Hariri in Riad seinen Rücktritt mit der Angst vor einem Attentat begründet. Einem solchen war schon sein Vater – ebenfalls Ministerpräsident im Libanon – 2005 zum Opfer gefallen. Aoun hatte dagegen Saudi-Arabien vorgeworfen, Hariri festgehalten und zur Demission gezwungen zu haben. Dies haben sowohl die Regierung in Riad als auch Hariri bestritten. In seiner Rede hatte der Ministerpräsident, der neben der libanesischen auch die saudische Staatsangehörigkeit besitzt, die an der Regierung in Beirut beteiligte Hisbollah sowie den Iran attackiert.

Saudi-Arabien versucht auf geradezu hysterische Weise überall in der Region einen vermeintlichen Einfluss Teherans zurückzudrängen. Am Sonntag kamen auf Antrag Riads die Außenminister der Arabischen Liga in Kairo zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Saudi-Arabien wollte dort nach Diplomatenangaben eine Verurteilung »des Iran und der mit dem Land in Verbindung stehenden arabischen Milizen« erreichen. Als Grund hatte Riad einen Raketenangriff der im Jemen aktiven Ansarollah-Miliz auf die saudiarabische Hauptstadt Riad am 4. November und den Brand einer Ölpipeline in Bahrain am 10. November genannt.

Nach dem Raketenangriff hatte Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman Teheran der »direkten militärischen Aggression« bezichtigt. Auch Bahrain hatten nach dem Pipelinebrand den Iran dafür verantwortlich gemacht. (Reuters/dpa/jW)


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