• Pol & Pott

Aus: Ausgabe vom 11.11.2017, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Blattspinat mit Eiern

Von Ina Bösecke

»Terraferma« (Italien, Frankreich 2011) ist ein weiterer Film von Emanuele Crialese, in dem er sich mit Sizilien und dem Thema Migration beschäftigt. Während in »Golden Doors« verarmte Sizilianer sich Anfang des 20. Jahrhunderts in Richtung USA aufmachten, handelt »Terraferma« ganz aktuell davon, wie Afrikaner versuchen, über Sizilien nach Europa zu kommen. Die Insel gilt als ärmste Region Italiens, die Jugendarbeitslosigkeit beträgt beispielsweise 57 Prozent, wie man über dieses »europäische Krisengebiet« im Spiegel von vergangener Woche lesen konnte. Nichtsdestotrotz ist die Insel ein begehrtes Urlaubsziel nicht nur für ausländische Touristen, sondern auch viele Italiener.

Hauptfigur ist ein junger Mann namens Filippo (Filippo Pucillo), der mit seiner Mutter das kleine Haus renoviert, damit sie es im Sommer an Touristen vermieten können. Tatsächlich mieten sich dann drei junge Leute vom Festland ein. Mutter, Sohn und der Großvater Ernesto (Mimmo Cuticchio) müssen in der direkt abgrenzenden Garage wohnen. Filippo hilft dem Großvater beim Fischfang. Doch da ist heutzutage nicht mehr viel los. Das Meer ist fast leergefischt. Statt dessen fischt man afrikanische Bootsflüchtlinge aus dem Wasser. Der Befehl der Regierung lautet, nicht zu helfen, wenn die mit ihren winzigen Booten kentern, aber die sizilianischen Fischer haben ihre eigenen Gesetze. Braucht jemand im Meer Hilfe, bekommt er sie.

Den Touristen wird ihr schöner Urlaubsspaß verdorben: Am Strand liegen weitere Flüchtlinge. Sie sind fast verdurstet. Wer hat da noch Lust, an der Strandbar einen Cocktail zu trinken?

Einer der Flüchtlinge ist eine hochschwangere Frau mit einem ungefähr acht Jahre alten Sohn. Filippo bringt beide mit nach Hause. Eine Garage für fünf Personen. Die sechste wird in der Nacht geboren.

Die Frau und ihr Sohn, die Filippo bei sich unterbringt, kommen aus Äthiopien. Sie wollen weiter nach Turin reisen. Dort arbeitet ihr Mann. In Äthiopien isst man gern gedünsteten Blattspinat mit Eiern und gewürzter Butter:

Ein Kilo Blattspinat waschen. Eine Zwiebel und eine Knoblauchzehe in kleine Würfel schneiden. Eine Chilischote halbieren, entkernen, fein hacken. Zwei Tomaten häuten, vierteln, würfeln. Zwei EL geklärte gewürzte Butter in einem Topf zerlassen. Zwiebel, Knoblauch, Chilischote darin andünsten. Tomaten und Spinat zufügen, 100 ml Wasser angießen. Unter Rühren ca. 15 Minuten garen. Vier Eier mit Salz und Pfeffer verquirlen. Unter den Spinat rühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Geklärte gewürzte Butter ist die Grundlage vieler äthiopischer Gerichte. Variante mit Kardamom und Zimt: Eine Zwiebel, zwei Knoblauchzehen, ein Stück Ingwer schälen. Alles in dünne Scheiben schneiden. Eine Chilischote längs halbieren, entkernen, hacken. 250 g Butter in einem Topf zerlassen. Zwiebel, Knoblauch, Chilischote, ein TL grob zerstoßener Kardamom, zwei Gewürznelken, eine Stange Zimt, einen halben TL Bockshornkleesamen dazugeben. 20 Minuten sanft köcheln lassen. Ein Haarsieb mit einem Mulltuch auslegen. Butter durch das Tuch in ein Gefäß abgießen. Butter etwas abkühlen lassen, dann in ein sauberes, verschließbares Glas umfüllen. Erkalten lassen, im Kühlschrank aufbewahren.


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