Aus: Ausgabe vom 11.11.2017, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Das war kein Sieg

Zu jW vom 1. November: »Gegenmacht damals wie heute«

Die führenden kapitalistischen Industrieländer hatten um 1989 eine höhere wirtschaftliche Anziehungskraft erreicht als die sozialistischen Staaten. Ist jedoch der Kapitalismus als Sieger aus dem ökonomischen Wettbewerb hervorgegangen, wenn noch heute mindestens vier Milliarden Menschen weltweit (bekanntlich gehören Afrika, fast ganz Lateinamerika, große Teile Arabiens und Asiens zum kapitalistischen System) unter dem Lebensstandard der DDR leben, fast eine Milliarde hungert, fast eine Milliarde kein Trinkwasser und nicht einmal Toiletten hat, rund 70 Millionen auf der Flucht sind und selbst in EU-Ländern teilweise bis zu 50 Prozent der Jugendlichen keine Arbeit finden und Milliarden Menschen der unmenschlichen Ausbeutung, darunter mindestens 20 Millionen als Sklaven, unterliegen? (…)

Gerhard Ulbrich, per E-Mail

China an der Spitze

Zu jW vom 1. November: »Kanonendonner aus Petrograd«

Endlich wird in dem Beitrag einmal herausgestellt, dass die VR China nach dem Untergang der UdSSR objektiv die führende antiimperialistische, friedenssichernde und eine sozialistische Perspektive verkörpernde Kraft ist. Es dürfte nur noch wenige Jahre dauern, bis sie die USA als Wirtschaftsmacht auf den zweiten Platz verweist und militärisch zunächst gleichziehen wird. Das dürfte weitreichende Auswirkungen auf nationale Prozesse in der »dritten Welt« haben, den Weltherrschaftsgelüsten der imperialistischen Gruppierungen (USA, EU mit der BRD an der Spitze und Japan) Grenzen setzen und dürfte sich langfristig ebenso auf die derzeit völlig zu Ungunsten der Arbeiter- und sozialen Bewegungen in den kapitalistischen Industriestaaten verlaufenden Klassenkräfteverhältnisse auswirken. (…)

Doris Prato, per E-Mail

Nazimitläufertum

Zu jW vom 4./5. November: »Der 9. November und die APO«

(…) Zu den Eigenheiten im Staat der Nazimitläufer zählt das einseitige Feindbild der Marxschen »Diktatur des Proletariats«. Darauf werden bis heute beliebig Hass, Missachtung und pure Häme ausgeschüttet, um in der breiten Masse Furcht und Abneigung zu erzeugen. Insbesondere immer dann, wenn – genährt durch permanente Krisen und Skandale – das Ansehen des überlebten Kapitalismus wieder einmal gegen null geht. Diese ideologisch-propagandistische Ausrichtung beinhaltet das systematische Ausblenden und Vergessenmachen der Dimensionen faschistischer Verbrechen. Denn Realismus an dieser Stelle würde jede Gleichmacherei zwischen Sozialismus in der DDR und Hitlerfaschismus in Deutschland schnell zum Kippen bringen. Das Grauen an der Rampe von Auschwitz-Birkenau, der damit verbundene industrielle Tod »made in Germany« stellen nun einmal das unerreichbare, unfassbare Menetekel des 20. Jahrhunderts dar. (…)

Beim deutschen Normalverbraucher sollen diese eigenen Makel nach Möglichkeit in Vergessenheit geraten. Schließlich sieht man sich personell und weltanschaulich in einer Kontinuitätslinie zurück bis zum Kaiserreich. (…) Folglich wird bis heute wirklich jede Gelegenheit genutzt, die DDR und ihre Geschichte zu diskreditieren und zu attackieren. Wer jedoch die grauenhaften Leichenberge von Bergen-Belsen, Mauthausen oder Treblinka de facto auf dem eigenen Konto hat und immer wieder versucht, durch simple Gleichmacherei ideologische Erfolge zu erzielen, macht sich hochgradig unglaubwürdig. So wirken die immer wiederkehrenden Versuche mehr als makaber, der Berliner Mauer doch noch ein paar Tote mehr zuzuordnen. (…) Immer wenn aus dieser Ecke rhetorisch vollmundig mit »Todesstreifen« und »Stacheldraht« angesetzt wird, denke ich nicht an die Berliner Mauer, sondern an deutsche Konzentrationslager. (…) Müssen die westlichen Propagandisten des Kalten Krieges erst alle aussterben, damit diese Ignoranz aus der Ecke des Nazimitläufertums, dieses Ausblenden an der falschen Stelle endlich der Vergangenheit angehören?

Bernd-R. Paulke, Potsdam

Aufbruch ins Neue

Zu jW vom 7. November: »Der erste Schritt«

Die Oktoberrevolution – auch wenn sie im Detail anders als in Filmen und auf Gemälden dargestellt stattfand – ist ein Aufbruch zu neuen Horizonten. Der chinesische Sozialismus, der seit Jahrzehnten sich experimentell entwickelt, ist sehr erfolgreich. Es gilt, ihn zu schützen, zu entwickeln und zu stärken! Wir sind in einem Umbruchsprozess. Das alte System ist angezählt. Es hatte sich 1989–1991 zu Tode gesiegt, und es wird dieses Jahrhundert nicht überstehen! Noch ist es stark. Aber wenn man hinter die Fassade schaut, gibt es mehr Risse als glatte Stellen! Die Umwelt leidet unter dem alten System. Und die Rache der Natur werden wir alle, vor allem unsere Kinder, Enkel, Urenkel und deren Nachkommen, zu spüren bekommen. Ressourcen werden schlecht bewirtschaftet. Es gibt eine chaotische Entwicklung. Infrastrukturen zerbröseln. Und bei den Innovationen verlagert sich auch der Schwerpunkt hin zu China und Partnern. China ist die Alternative auf allen Gebieten!

Achim Lippmann, per E-Mail

Wahres Gesicht

Zu jW vom 9. November: »Unter der Dauerwelle das Böse«

Clooney hätte besser den autobiographischen Roman von Andreas Altmann »Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend« verfilmt. Eine Geschichte aus der beschaulichen Provinz voller Misshandlungen, Demütigungen, mit einem rabiaten Pfarrer und verkappten Nazis. Ich bin 63 Jahre alt, glauben Sie mir, es war noch viel schlimmer. Wir lebten in einer Neubausiedlung, in der, wie meine Eltern und meine Brüder, nur »DDR-Flüchtlinge« wohnten. Die meisten, endlich in der Freiheit angekommen, zeigten ihr wahres Gesicht, das sie im Osten nicht zeigen durften. Mich verwundert es nicht, dass rechte, ja faschistische Auswüchse in dieser Gesellschaft so groß sind. Statt linker Gegenwehr müssen wir erleben, dass die Partei Die Linke sich immer mehr sozialdemokratisiert. Wir wissen doch, wo das hinführt!

Hartmut Bethge, per E-Mail

Die Oktoberrevolution ist ein Aufbruch zu neuen Horizonten. Das alte System ist angezählt und wird dieses Jahrhundert nicht überstehen!


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