Aus: Ausgabe vom 11.11.2017, Seite 1 / Ausland

Trump macht dicht

US-Präsident spricht sich auf Apec-Gipfel gegen Freihandelsabkommen aus. China für Kooperation

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Will lieber bi- als multilaterale Abkommen: US-Präsident Donald Trump am 10. November in Da Nang beim Apec-Gipfel

US-Präsident Donald Trump hat einen unerwarteten Kurswechsel der US-amerikanischen Politik in Asien und im Pazifikraum eingeleitet: Auf dem Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Vietnam lehnte er am Freitag gemeinsame Handelsbündnisse mit mehreren Partnern strikt ab. Zugleich empfahl er auch allen anderen Nationen, ihr Heil auf eigene Faust zu suchen.

Trumps Rede bedeutet im Kern eine radikale Abkehr der USA von multilateralen Bündnissen. An deren Stelle sollen nun isolierte Verträge zwischen einzelnen Ländern treten. »Ich will mit jedem Land der indopazifischen Region, das unser Partner sein will, bilaterale Handelsbeziehungen«, versprach Trump.

Trumps Rede auf dem Gipfel stand in starkem Kontrast zu einem Auftritt von Chinas Präsident Xi Jinping. Xi warb vor den insgesamt 21 Apec-Mitgliedern für ein »globales Netzwerk aus Freihandelszonen«. Von Chinas Wachstum sollten auch andere Länder profitieren. Seine Rede wurde, anders als die von Trump, immer wieder von Applaus unterbrochen.

Xi bezeichnete zudem die Globalisierung als »unumkehrbaren historischen Trend«. Die Gewinne müssten aber »offener, inklusiver und ausgeglichener« verteilt werden. »Wir sollten den Multilateralismus hochhalten, durch Zusammenarbeit und enge Partnerschaft.« China sei sich der Verantwortung als weltweit zweitgrößte Wirtschaftsnation bewusst.

Entgegen den Erwartungen gab es bei dem Gipfel in der Küstenstadt Da Nang zunächst kein Zweiertreffen zwischen Trump und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin. Das Weiße Haus begründete dies mit dem dicht getakteten Zeitplan beider Präsidenten.

Der Apec gehören insgesamt 21 Pazifik-Anrainerstaaten an. Auf sie entfallen etwa 60 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Dort leben auch knapp 40 Prozent der Weltbevölkerung. Weitere wichtige Themen des Gipfels, der noch bis zum heutigen Samstag dauert, sind die Korea-Krise und der Kampf gegen den Terrorismus. (dpa/jW)

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