Aus: Ausgabe vom 08.11.2017, Seite 2 / Ausland

Mehr NATO in Afghanistan

Westliche Kriegsallianz will Truppen am Hindukusch aufstocken. Angriff von Islamisten auf Fernsehsender in Kabul

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Im Angriffsmodus: NATO-Soldaten stürmen am Dienstag in Kabul den Fernsehsender Schamschad, der von mutmaßlichen Islamisten attackiert worden war

Die NATO will ihre Truppen in Afghanistan aufstocken. Nach Angaben von Generalsekretär Jens Stoltenberg soll die Zahl der Soldaten zur Ausbildung lokaler Einsatzkräfte im kommenden Jahr von etwa 13.000 auf rund 16.000 steigen. Etwa die Hälfte der zusätzlichen Kräfte werde von den USA gestellt werden, sagte er am Dienstag. Ob sich Deutschland in größerem Maße beteiligen wird, ist unklar. Das Verteidigungsministerium in Berlin bestätigte jüngst aber Überlegungen, die Ausbildungstruppe der Bundeswehr in Afghanistan wieder zu verstärken.

Hintergrund der geplanten Truppenaufstockung sei das angebliche Wiedererstarken der aufständischen Taliban in Afghanistan und die Expansion des »Islamischen Staates« (IS) in Afghanistan. Erst am Dienstag wurde in Kabul ein Wachmann bei einem Angriff auf einen Fernsehsender getötet. Die Attacke reklamiert der IS für sich. Zuvor hatte ein Taliban-Sprecher im Internet eine Beteiligung seiner Widerstandsgruppe an dem Anschlag abgestritten.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich nach der von US-Präsident Donald Trump ausgegebenen neuen Militärstrategie verschlechtert. Immer wieder kommt es zu Luftangriffen, bei denen Zivilisten ums Leben kommen. So sollen bei einem Bombardement am vergangenen Freitag 14 bis 22 Zivilisten getötet worden sein, wie offizielle Stellen in der Provinz Kundus berichteten. Die USA wiesen diesen Vorwurf in einer in der Nacht auf Dienstag versandten Email zurück. Darin heißt es, der Einsatz sei »unabhängig untersucht« und keine »Beweise für zivile Opfer gefunden« worden. Es seien aber viele feindliche Kämpfer getötet worden.

Unter dessen zeigten sich die Vereinten Nationen besorgt über einen »verstörenden Anstieg« von Angriffen auf Moscheen, religiöse Führer und Betende in Afghanistan. Einem am Dienstag morgen veröffentlichten Bericht zufolge wurden seit Januar vergangenen Jahres 51 Angriffe auf sunnitische und schiitische Moscheen und Schreine gezählt. Dabei seien 273 Menschen getötet und 577 verletzt worden. Dies seien fast doppelt so viele Opfer gewesen, wie bei Anschlägen dieser Art in den Jahren 2009 bis 2015 zusammengenommen, schreiben die Autoren. Die große Mehrheit aller Opfer seien Schiiten, die in Angriffen des IS getötet oder verletzt worden seien. (dpa/jW)


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