Aus: Ausgabe vom 23.10.2017, Seite 8 / Ansichten

Konkursgeier des Tages: Bundeswehr

Von Kristian Stemmler
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Ein Airbus A310 der Bundeswehr während eines Testfluges im Rahmen der Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse ILA in Formation mit Kampfflugzeugen

Im Wettbewerb um »die klügsten Köpfe und geschicktesten Hände« müsse die Bundeswehr neue Wege gehen, dekretierte Kriegsministerin Ursula von der Leyen Ende September in einem Brief an die Bundestagsabgeordneten. Heißt im Klartext: Man wanzt sich so ziemlich an jeden ran, der noch wehrdiensttauglich erscheint. Selbst vor abgewirtschafteten Unternehmen schreckt die Bundeswehr nicht zurück.

Mit einer Werbekampagne versucht die Truppe jetzt, sich aus der Konkursmasse von Air Berlin zu bedienen. »Flugbegleiter? Jetzt umsteigen«, steht auf einem Plakat der Bundeswehr am Flughafen Düsseldorf, wie am Wochenende bekanntwurde. Unter dem Slogan hat man ein zerbrochenes Schokoherz in roter Alufolie arrangiert, wie es jeder Fluggast von Air Berlin geschenkt bekam, und daneben ein intaktes Herz in Tarnfleckoptik mit der Aufschrift »airbundeswehr«. Neckisch, nicht wahr?

Ziel der Kampagne, die in Berlin-Tegel, auf Facebook und in Bild fortgesetzt werden soll: entlassene Air-Berlin-Flugbegleiter für die Flugbereitschaft der Luftwaffe abzuwerben. Dort sind 40 Stellen zu besetzen. Als Lufttransportbegleitfeldwebel bekämen die Abgeworbenen immerhin 1.800 Euro netto, müssten dafür aber auch Leute wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier oder Bundesminister bedienen, die mit den Maschinen reisen.

Ein Job, vor dem die »diffuse Scheu« wohl nicht so erheblich sein dürfte. Eine solche hat die Bevölkerung ja laut von der Leyen beim Thema Auslandseinsätze. Auch da soll ja eine vor einer Woche angelaufene Werbekampagne für Abhilfe sorgen. Die Serie »Mali« zeigt auf Youtube, wie unsere Jungs und Mädels in Oliv Islamisten das Fürchten lehren. Schon einige Zuschauer sollen ihre diffuse Scheu davor verloren haben, sich für deutsche Konzerne in Afrika totschießen zu lassen.

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