Aus: Ausgabe vom 17.10.2017, Seite 16 / Sport

Brauch i a nid

»Upskilling«, »Nation Branding«? Tirol will immer noch keine Olympischen Winterspiele

Von Uschi Diesl
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»Mei Bier am Wochenende ...« – Olympiabefürworter Manuel Feller in St. Moritz

Wir fühlen mit dem Österreichischen Olympischen Komitee und den vielen Athleten und Unterstützern«, beteuerte das Internationale Olympische Komitee nach dem Tiroler Volksentscheid zur Bewerbung um Winterspiele. 536.817 Tiroler waren am Sonntag gleichzeitig zur Nationalratswahl befragt worden. 53,35 Prozent stimmten gegen Olympia 2026. Die Wahlbeteiligung lag in der Region mit 58,43 Prozent noch unter der der Nationalratswahl (65,79).

»Enttäuscht bin ich nicht, denn wir müssen uns selbst nichts vorwerfen«, sagte Peter Mennel, Generalsekretär des ÖOC, der Tiroler Tageszeitung. Bis zuletzt hatte das ÖOC aufwendige Werbeveranstaltungen mit Promis wie Skiolympiasieger Benjamin »Benni« Raich organisiert, zur denen oft allerdings nur eine Handvoll Interessierter kam. Massenwirksamer versuchte es der in Tirol geborene Manuel Feller, Vizeweltmeister im Slalom, mit einer Videobotschaft. »Jetzt gibt’s Leut, die sagen: Wir brauchen das alles ned«, erklärte er im Trachtenkostüm. »Mei Bier am Wochenende brauch i a nid. Aber es schmeckt trotzdem.«

Genützt hat all das sowenig wie die ausgetüftelte Fragestellung, die eine Bürgerinitiative im Falle eines anderen Wahlausgangs als »eindeutig manipulativ und damit rechts- und verfassungswidrig« angefochten hätte: »Soll das Land Tirol ein selbstbewusstes Angebot für nachhaltige, regional angepasste sowie wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Olympische und Paralympische Winterspiele Innsbruck-Tirol 2026 legen?«

Die Angebotslegung platzte am Sonntag um 19.38 Uhr mit dem Ergebnis des letzten noch fehlenden, größten Auszählungsbereiches, der Stadt Innsbruck. Dort waren Volksbefragungen zu Olympiakandidaturen schon 1993 und 1997 gescheitert. Auf dem Land gab es auch diesmal eine Mehrheit für das Sportgroßereignis, besonders deutlich in den vorgesehenen Austragungsorten. In St. Anton (alpine Wettbewerbe) stimmten 85 Prozent für die Bewerbung, in Hochfilzen (Biathlon) 80 Prozent, in Seefeld (Langläufer und Skispringer) 65 Prozent. In Innsbruck waren 67 Prozent dagegen.

Von den größeren Parteien hatte sich einzig die FPÖ entschieden gegen Olympia ausgesprochen, schon vor einer vielzitierten »Machbarkeitsstudie«, die für 270.000 Euro in Auftrag gegeben wurde bei den Beraterfirmen »Proprojekt, »AS + P«, »MCI« und der Eventfirma »Solid«. Unter dem Blauen vom Himmel, das die teure Studie versprach, waren »sozioökonomische Effekte, die sich in tangible, d. h. ökonomisch messbare, als auch intangible, also nicht in (Geld-)Einheiten messbare, Werte gliedern lassen«. Letzteren zugeschlagen wurden »›Upskilling‹ und Bildung«, »Nation Branding und Handelsbeziehungen«.

Tirol hat historische Erfahrungen mit Winterspielen. Zweimal wurden die Bürger nicht gefragt und kamen in den Genuss. 1964 gab es keinen Schnee. Das Bundesheer musste 20.000 Eisblöcke zur Bob- und Rodelbahn und 40.000 Kubikmeter Schnee durchs halbe Land zu den Pisten karren. 1976 hatte ursprünglich Denver den Zuschlag erhalten, es gab im Bundesstaat Colorado dann aber noch ein Referendum zur Verwendung von Steuergeldern für das Spektakel unter den fünf Ringen. Innsbruck sprang ein und kam zu seinen zweiten Winterspielen, denen so bald wohl keine dritten folgen werden.

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