Aus: Ausgabe vom 11.10.2017, Seite 15 / Antifa

Rechtsrock wieder mal konspirativ

Knapp drei Monate nach dem Großevent in Themar trafen sich 250 braune Musikfans bei Seibranz

Von Sebastian Lipp
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Symbolbild

Etwa 250 Neonazis haben sich am Samstag auf einem konspirativ organisierten Rechtsrockkonzert in der Nähe von Seibranz im baden-württembergischen Landkreis Ravensburg getroffen. Bis kurz vor dem Event blieben die Pläne geheim – bis das Neonaziwatchblog Allgäu rechtsaußen ein intern verteiltes Flugblatt veröffentlichte und auf einen »Schleusungspunkt« an der A 96 südwestlich von Memmingen hinwies.

Zu Beginn des als Geburtstagsfeier getarnten Konzerts auf einem privaten Anwesen zwischen Bad Wurzach und Leutkirch im Allgäu griff ein bekannter Anhänger der Neonazikameradschaft »Voice of Anger« einen Journalisten an, verletzte diesen leicht und beschädigte seine Kamera. Anwesende Polizisten fesselten den Angreifer und verhinderten Schlimmeres. Die Polizei kontrollierte die Anreise der Neonazis und stellte laut ihrer Pressemeldung von Sonntag mehrere verbotene Waffen sowie verfassungsfeindliche Symbole fest. Während der Veranstaltung hätten aber keine indizierten Liedtexte oder andere Straftaten festgestellt werden können, hieß es.

Auf dem Konzertflyer wurden Bands aufgeführt, die dem in der BRD verbotenen, aber weiter aktiven »Blood-and-Honour«-Netzwerk nahestehen: »Kodex Frei« und »Faustrecht« aus der Region sowie »Kommando Skin« aus Baden-Württemberg und »Stonehammer« aus Kanada. Organisiert wurde das Konzert offenbar von »Voice of Anger«. Der Gruppe gelang jüngst der Kauf eines Klubhauses bei Memmingen, das allerdings mutmaßlich von Antifaschisten niedergebrannt wurde.

Offen vorbereitet hatten Neonazis dagegen das mit rund 6.000 Besuchern bisher größte Rechtsrockkonzert in Deutschland. Die Veranstaltung am 15. Juli, bei der ein Gewinn von bis zu 200.000 Euro in die Szene geflossen sein dürfte, war als politische Kundgebung in Themar in Südthüringen angemeldet worden. Dazu stellte die Fraktion die Linke eine kleine Anfrage an die Bundesregierung, die Ende September beantwortet wurde. Unter den rund 200 Ordnern beim Konzert in Themar wurde demnach laut Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) ein bis dato unbekannter »Kameradschaftlicher Sanitätsdienst Nordland« eingesetzt. Ordner und Helfer entstammten überwiegend der rechtsextremen Szene Thüringens, darunter Anhänger der »Turonen« sowie des Szeneobjekts »Gelbes Haus« und der »Barnimer Freundschaft« aus Brandenburg. Beide Gruppierungen würden wiederholt als Security bei extrem rechten Musikveranstaltungen auftreten. Das Portal Thüringen rechtsaußen hatte zudem von der Anreise des in München angeklagten mutmaßlichen NSU-Helfers André Eminger zum Konzert in Themar berichtet.

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