Aus: Ausgabe vom 12.10.2017, Seite 5 / Inland

Rabattschlacht bei Kaufhof

Handelskonzern will Tarifbindung zerschlagen: Lohnkürzung und verlängerte Arbeitszeit vorgesehen

Von Simon Zeise
Kaufhof_am_Ostbahnho_54287258.jpg
Viele Kaufhof-Filialen haben bereits geschlossen. Hier am Berliner Ostbahnhof (6. Juni)

Kaufhof will kürzen. Die Manager der Warenhauskette haben sich am Dienstag abend mit Vertretern der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi getroffen, um über einen Ausstieg aus dem laufenden Tarifvertrag zu verhandeln, berichtete die Süddeutsche Zeitung am Mittwoch. Die Beschäftigten sollen einem »Sanierungskonzept« zustimmen.

Der Onlinehandel mache dem Konzern zu schaffen, so dass sich der Betrieb in einer »wirtschaftlichen Notlage« befinde. Weil die »Umsatz- und Ertragsentwicklung existenzgefährdend« sei, könnten die Mitarbeiter nur vor der Kündigung bewahrt werden, wenn sie schmerzhaften Einschnitten zustimmten. Tausend Arbeitsplätze fielen weg, und viele Häuser müssten geschlossen werden, lautet das Drohszenario der Manager. Für die Beschäftigten geht es ans Eingemachte: Ihre Gehälter sollen um drei bis fünf Prozent gekürzt werden, Urlaubs- und Weihnachtsgeld soll es drei Jahre lang nicht geben, und als I-Tüpfelchen sehen die Bosse eine Erhöhung der Arbeitszeit mit der Rückkehr zur 40-Stunden-Woche vor.

Wolfgang Link, Chef für das Europa-Geschäft beim kanadischen Kaufhof-Eigner Hudson’s Bay Company, und Kaufhof-Arbeitsdirektor Peter Herlitzius waren am Dienstag zum Frontalangriff auf die Mitarbeiter losgegangen. In einem Schreiben an die Beschäftigten machten sie die hohe Tarifbindung als Teufelswerk aus. Viele Einzelhandelsketten hätten längst keine Tarifbindung mehr und könnten daher mit deutlich niedrigeren Personalkosten arbeiten als Kaufhof. »Diese Situation ist für uns nicht länger tragbar, denn sie gefährdet die Zukunft unseres Unternehmens«, schreiben Link und Herlitzius.

Verdi erklärte am Dienstag abend, die Gewerkschaft werde den Antrag der Kaufhof-Chefs gemeinsam mit einer noch zu bildenden Tarifkommission, den Beschäftigtengremien sowie einem Wirtschaftsgutachter prüfen. Abhängig von dem Ergebnis würden dann die entsprechenden Schritte eingeleitet. Die Gewerkschaft werde »alles daran setzen, dass den Kolleginnen und Kollegen im Kaufhof nicht in die Tasche gegriffen wird«, erklärte Uwe Hoepfel, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Galeria Kaufhof, in einer Pressemitteilung.

Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger erklärte, für eine mögliche Aufnahme von Verhandlungen gebe es klare Bedingungen: »Ein unabhängiger, von Verdi benannter Wirtschaftsgutachter muss die Geschäftszahlen prüfen, damit klarwird, wie es um das Unternehmen tatsächlich bestellt ist.« Für die Zukunft seien »überzeugende Konzepte« wichtig, wie der Umsatz gesteigert werden könne. Kürzungen beim Personal seien hingegen »keine nachhaltigen Lösungen«.


Debatte

Bewerte diesen Artikel:

Mehr aus: Inland