Aus: Ausgabe vom 07.10.2017, Seite 4 (Beilage) / Wochenendbeilage

Che in den Ebenen

Milizionäre des Bildes: Ein Buch zeigt wenig bekannte Fotos des Revolutionärs aus den ersten Jahren des neuen Kuba

Von Volker Hermsdorf
18. September 1960 Che bei der Diskussion der Generalversammlung
18. September 1960: Che (mit typischem kubanischen Strohhut) bei der Diskussion der Generalversammlung der Volksmacht in Camagüey. Links neben ihm Kommandant Jorge Papita Serguera

Nachdem der von den USA gestützte Diktator Fulgencia Batista aus Kuba geflohen war und die Rebellen Anfang Januar 1959 im ganzen Land gesiegt hatten, begann – wie Che Guevara es selbst einmal ausdrückte – nach der »zerstörenden Phase der alten Macht«, die »konstruktive Phase der Revolution«. Sechs Jahre lang prägte der argentinisch-kubanische Comandante, der seine olivgrüne Guerillauniform auch nach dem Sieg der Revolution und dem Einmarsch in Havanna nicht ablegte, die radikale soziale und ökonomische Umwandlung des Landes wie kaum ein anderer. Che Guevara arbeitete zunächst im Institut für Agrarreform, dann als Präsident der Nationalbank und ab 1961 als Industrieminister. Er wurde neben seinem Genossen und Freund Raúl Castro zur treibenden Kraft der Agrarreform, beschleunigte die Verstaatlichung der US-Monopolgesellschaften auf der Insel und organisierte die Neuorientierung der kubanischen Wirtschaft.

Diese ersten Jahre des neuen Kuba haben einige seiner jungen Kampfgefährten, die damals noch keine Berufsfotografen waren, mit ihren Kameras eindrucksvoll dokumentiert. »Wir waren so etwas wie Milizionäre des Bildes«, sagt René Calvo, einer von ihnen, im Gespräch mit René Lechleiter, dem Herausgeber des soeben erschienenen Fotobuches. Mit Hilfe kubanischer Archivare ist es dem Schweizer gelungen, bisher unveröffentlichte Aufnahmen aufzuspüren, die den Revolutionär aus weniger bekannten Perspektiven zeigen. Zu sehen ist der ganz normale, alltägliche Che, der seinen Kampf in der Sierra Maestra auf andere Art fortsetzte. Zu sehen ist ein als »Politiker« ebenso engagierter Che, der für den Aufbau der neuen sozialistischen Gesellschaft, für die Herausbildung und Formung dessen, was er den neuen Menschen nennt, brennt.

Den Fotografen ist es gelungen, die tägliche Mühsal und die selteneren Glücksmomente eines Revolutionärs einzufangen. Die Aufnahmen zeigen Ches »Impetus, aber auch, wie er seine Energie in unzähligen Sitzungen, auf Empfängen, in Diskussionen über den richtigen Weg, im Kontakt mit den ausländischen Gesandten wie dem einfachen Volk einsetzte«, schreibt der Schweizer Kunsthistoriker Guido Magnaguagno im Vorwort. Eine Ahnung von dem, was damit gemeint ist, vermitteln die wenigen hier ausgewählten Fotos, die neugierig machen auf mehr.

    Genaues Datum: unbekannt (1959) Che in seiner bei allen Gelegenh
    Auf 1959 datiert: Der Comandante mit der unverzichtbaren Zigarre und in seiner typischen Aufmachung. Olivgrüne ­Uniform, das offene, über der Hose ­getragene Hemd, der Gürtel mit Pistole
    19. November 1959 Che – hier im Gespräch mit seiner Frau Aleida
    19. November 1959: Che – hier im Gespräch mit seiner Frau Aleida March – verabschiedet die Delegation der Föderation ­kubanischer Frauen (FMC) unter Leitung von Vilma Espín (r.) zum ersten ­Lateinamerikanischen Frauenkongress in Santiago de Chile
    Genaues Datum: unbekannt (1959) Che gibt Erklärungen ab, nachd
    Auf 1959 datiert: Nach einem ­Interview für ­ausländische ­Journalisten
    25. August 1963Che als Teilnehmer am zweiten Schachturnier »Ca
    25. August 1963: Che als Teilnehmer am zweiten Schachturnier »Capablanca in Memoriam«, das dem kubanischen Schachweltmeister José Raúl Capablanca gewidmet war, im Hotel Habana Libre
    29. Dezember 1963Einweihung der Plastikfabrik in Havanna
    29. Dezember 1963: Einweihung der Kunststoffabrik in Havanna
    9. Mai 1964Che bei der Schlusseinschätzung zum Seminar »Die Ju
    9. Mai 1964: Che zieht ein Fazit des Seminars »Die Jugend und die Revolution« im Ministerium für Industrie
    29. April 1963Che nimmt auf dem Landgut »Pedrín Troya« in der
    29. April 1963: Als Teilnehmer eines Wettstreits der ­Zuckerrohrschneider auf dem Landgut »Pedrín Troya« bei Havanna. Vorne links Rekordhalter Reinaldo Castro

René Lechleiter (hg.): Che – die ersten Jahre. Unveröffentlichte Fotos 1959–1964. 64 Seiten Fotos und 32 Seiten Text, Verlag 8. Mai, Berlin 2017, Preis: Euro 16,90 / CHF 19.50, ISBN: 978-3-931745-23-3. Bestellungen über den jW-Shop, per E-Mail oder telefonisch unter +49 30/53635537

Das Buch können Sie auch als Prämie beim Abschluss eines Online- oder Printabos der jW erhalten.


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Hasta Siempre Revolutionäres Beispiel, Ikone des Protestes

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