Aus: Ausgabe vom 15.09.2017, Seite 1 / Inland

Keine Waffen für Kinder und Jugendliche

Petition gegen den Einsatz von Minderjährigen bei der Bundeswehr

Cyber_Days_fuer_Juge_53177371.jpg
"Cyber Days" der Bundeswehr am 20.04.2017 in Storkow (Brandenburg)

Auch in Deutschland werden immer noch Minderjährige zum Töten rekrutiert. Deshalb haben am Donnerstag in Berlin Vertreter des »Deutschen Bündnisses Kindersoldaten« nach eigenen Angaben mehr als 30.000 Unterschriften an Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen übergeben. Sie forderten sie zum Abschluss der Kampagne »Unter 18 nie« auf, die Rekrutierung und Werbung von minderjährigen Jungen und Mädchen als Soldaten zu stoppen. »Die Ministerin erklärte, die Jugendlichen befänden sich bei der Bundeswehr in einem geschützten Raum. Das ist gerade angesichts der diversen Skandale der letzten Monate eine völlig verfehlte Einschätzung«, sagte Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte von Terre des hommes und Sprecher des Bündnisses Kindersoldaten.

Der Zusammenschluss kritisiert dabei nicht nur, dass eine Umgebung, in der sexualisierte Gewalt an der Tagesordnung sei und sich rechte Vorfälle ereigneten, für Jugendliche ungeeignet sei. Dies komme nur erschwerend hinzu. Das Bündnis lehnt die militärische Ausbildung von Kindern und Jugendlichen generell ab. »Der internationale ›Straight 18‹-Standard gegen den Einsatz von Minderjährigen im Militärdienst wird von fast allen Ländern weltweit eingehalten«, sagte Frank Mischo von der Kindernothilfe, Sprecher des Bündnisses. »Die Bundesregierung verlangt von anderen Ländern wie Myanmar, Kolumbien oder Afghanistan, dass sie keine minderjährigen Soldaten einsetzen. Denn das sind nach den Pariser Prinzipien, die Deutschland und über hundert weitere Länder unterschrieben haben, Kindersoldaten, deren Einsatz schon seit langem international geächtet ist. Wie passt das damit zusammen, dass die Zahlen minderjähriger Soldaten bei der Bundeswehr seit Jahren ansteigen, bis zum Höchstwert von fast 2.000 im Jahr 2016?«

Michael Schulze von Glaßer von der Deutschen Friedensgesellschaft kritisierte darüber hinaus, dass die Bundeswehr auf »Messeständen mit Partyatmosphäre (…) und Sportevents für Schülerinnen und Schüler« gezielt Minderjährige anspreche. (jW)

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Mehr aus: Inland