Aus: Ausgabe vom 05.09.2017, Seite 6 / Ausland

Papst auf Friedensmission

Franziskus will Kolumbien besuchen. Teile des Klerus gegen Aussöhnung

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Noch aus Pappe: Papst Franziskus im Zentrum der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Der echte wird am Mittwoch erwartet

Am Mittwoch wird Papst Franziskus zu einem fünftägigen Besuch in Kolumbien erwartet. Das Oberhaupt der katholischen Kirche will mit seiner Visite einen Beitrag zum Friedensprozess leisten, in dessen Rahmen sich die bisherige FARC-Guerilla nach mehr als 50 Jahren bewaffnetem Kampf in der vergangenen Woche zu einer Partei umgewandelt hat, die künftig unter dem Namen »Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes« um die Macht in dem südamerikanischen Land ringen will. Zugleich führt die Regierung von Staatschef Juan Manuel Santos derzeit in Quito Verhandlungen mit der zweiten großen Guerillaorganisation ELN. Ihre Stärke wird noch auf 1.500 Kämpfer geschätzt.

Der jahrzehntelange Bürgerkrieg hat nach Schätzungen mehr als 260.000 Menschen das Leben gekostet. Über 60.000 Personen gelten als vermisst, rund sieben Millio­nen Menschen mussten aus ihren Heimatorten fliehen. Trotzdem bekämpft Kolumbiens Rechte um den ehemaligen Staatschef Álvaro Uribe den Friedensprozess. Uribe, der sich Chancen auf einen Sieg bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr ausrechnen kann, will den 2016 zwischen Santos und den FARC, den damaligen Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, unterzeichneten Vertrag »in Stücke reißen«. Auch weite Teile des katholischen Klerus riefen im Vorfeld des Referendums im vergangenen Jahr dazu auf, das Abkommen abzulehnen. Das vom kolumbianischen Parlament im Dezember verabschiedete Amnestiegesetz für inhaftierte FARC-Angehörige werten die Rechten als »Verrat«.

Der Besuch des 80jährigen Argentiniers Franziskus steht unter dem Motto »Lasst uns den ersten Schritt gehen«. Das bedeute, »das Leid der anderen anerkennen und denen vergeben, die uns verletzt haben«, sagte der kolumbianische Militärbischof Fabio Suescún, Leiter des Organisationskomitees für die Papstreise. Der kolumbianische Kurienerzbischof José Octavio Ruiz, Mitglied der päpstlichen Delegation, wies darauf hin, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche in ein »sehr polarisiertes Land« komme. Er wisse aber auch, »dass alle Kolumbianer nach Frieden im Geist von Einheit und Gerechtigkeit dürsten«. Ein solcher Frieden sei »nur möglich, wenn die Gründe für soziale Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Unterdrückung angegangen« würden.

Franziskus' »Hauptquartier« wird die Apostolische Nuntiatur in Bogotá sein. Von dort aus wird er mit dem Flugzeug in die Städte Villavicencio, Medellín und Cartagena reisen. Unter anderem will der Papst zwei im Bürgerkrieg getötete katholische Priester selig sprechen. (AFP/jW)

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