Aus: Ausgabe vom 02.09.2017, Seite 4 (Beilage) / Wochenendbeilage

Ausgeblendete Katastrophe

In Südasien sind 41 Millionen Menschen von Hochwasser und Erdrutschen betroffen. Doch die internationalen Medien schauen nach Houston

Schutz vor dem Regen sucht dieser Junge in einem Slum von Mumbai
Ein Bus kämpft sich am Dienstag in Mumbai durch das Hochwasser
Alltag im überfluteten Mumbai
Bis zu den Hüften im Wasser
Das Unwetter verschärft die ohnehin chaotische Verkehrslage in Mumbai noch mehr
Retter versuchen am Donnerstag, Opfer aus einem eingestürzten Haus in Mumbai zu retten
Mit dem Motorrad durch die Fluten

Im Fernsehen nimmt die Hochwasserlage in Texas und anderen Teilen der USA breiten Raum ein, in den Nachrichten sehen wir US-Präsident Donald Trump beim Katastrophentourismus, und es wird gemeldet, dass über Houston eine nächtliche Ausgangssperre verhängt wurde.

Weit weniger Aufmerksamkeit bekommen die nach Angaben des Roten Kreuzes rund 41 Millionen Menschen, die in Südasien als Folge des Monsuns von Überflutungen und Erdrutschen betroffen sind. »Das entwickelt sich rapide zu einer der schwersten humanitären Krisen, die diese Region in vielen Jahren erlebt hat. Es muss dringend gehandelt werden, um den wachsenden Bedürfnissen von Millionen Menschen gerecht zu werden, die von diesen furchtbaren Überschwemmungen betroffen sind«, sagte bereits am 18. August der stellvertretende Regionaldirektor der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften, Martin Faller. Für die Menschen in Nepal, Bangladesch und Indien werden die Lebensmittel knapp. Zudem führe verschmutztes Flutwasser zu Krankheiten.

Die örtlichen Behörden der betroffenen Länder gehen inzwischen davon aus, dass die diesjährige Monsunzeit in Südasien bereits mehr als 1.500 Menschen das Leben gekostet hat. Allein in Indien starben seit Juni mehr als 1.300 Menschen, wie am Mittwoch aus den aktuellen Zahlen der örtlichen Behörden hervorging. In Nepal und Bangladesch waren es nach Angaben der Behörden und des Roten Kreuzes jeweils etwas mehr als 140 Tote – die überwiegende Mehrheit davon seit der zweiten Augustwoche, als es tagelang heftig regnete. Je ein Drittel der Fläche Nepals und Bangladeschs stand zwischenzeitlich unter Wasser.

Der nordöstliche Bundesstaat Bihar ist der am stärksten betroffene Teil Indiens. Dort starben nach offiziellen Zahlen bislang 514 Menschen. Auch Westindien erlebte zuletzt Unwetter: Die Metropole Mumbai war am Dienstag wegen Hochwassers praktisch lahmgelegt, mindestens sechs Menschen kamen dort ums Leben. Zahlreiche Häuser wurden zerstört, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte.

An einem einzigen Tag waren über der Stadt mit 20 Millionen Einwohnern fast so große Regenmengen niedergegangen wie sonst im gesamten Monat. In zahlreichen Unternehmen, aber auch in Tempeln wurden Notquartiere geschaffen.

In den zwei Nachbarländern sanken die Pegelstände mittlerweile. Damit stieg allerdings die Sorge vor dem Ausbruch gefährlicher Krankheiten, wie das Rote Kreuz warnte. Hunderte Dorfbewohner seien von der Außenwelt abgeschnitten und hätten nichts zu essen.

Die südasiatische Monsunzeit von Juni bis September fordert jedes Jahr sehr viele Opfer vor allem unter den ärmsten Schichten der Bevölkerung. Viele ertrinken, werden von Erdrutschen begraben oder sterben durch Stromschläge, nachdem offene Leitungen in die Fluten gestürzt sind. (dpa/Reuters/jW)

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