Aus: Ausgabe vom 21.08.2017, Seite 2 / Ausland

Zehntausende gegen rechts

USA: Antifaschistische Demonstration gegen Aufmärsche von Rassisten

Von Jürgen Heiser
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In Boston gingen am Samstag 40.000 Menschen gegen ein Kundgebung von Ultrakonservativen auf die Straße

In mehreren US-Städten haben sich am Wochenende Zehntausende den geplanten Aufmärschen von Neofaschisten, Rassisten und Anhängern der Trump-Bewegung, »Amerika wieder groß zu machen«, entgegengestellt. Die größte Versammlung von 40.000 Teilnehmern eines breiten antifaschistischen Bündnisses fand am Samstag in Boston statt. Dem Aufruf der von Ultrakonservativen angesetzten Kundgebung »Für freie Meinungsäußerung« waren in der Hauptstadt des US-Bundesstaats Massachusetts nur wenige gefolgt. Laut einer Meldung des Senders CNN nahmen Einsatzkräfte 27 Aktivisten des Bündnisses »wegen eines Gerangels mit der Polizei« fest.

Wie schon nach den von Alt-Right, Ku-Klux-Klan und bewaffneten Milizen sowie Anhängern der Waffenlobby National Rifle Association (NRA) zu verantwortenden Gewaltakten von Charlottesville vor einer Woche diffamierte US-Präsident Trump zunächst auch die Bostoner Gegendemonstranten. »Sieht so aus, als seien viele Antipolizeiagitatoren in Boston«, schrieb er auf Twitter und lobte den Einsatz der Polizei als »hart und klug«. Erst nach Abschluss der Kundgebung fand Trump auch Lob für die Demonstranten, »die gegen Fanatismus und Hass ihre Stimme erheben«, zwitscherte er und schloss mit der überraschenden Äußerung: »Unser Land wird bald wieder vereint sein.«

Viele nordamerikanische Städte waren am Wochenende Schauplatz des Widerstandes gegen Kundgebungen der Ultrakonservativen und Rechten. Von Vancouver, wo die »Weltweite Koali­tion gegen den Islam« auftrat, bis New York, wo wie in weiteren acht Städten mit einem »Marsch auf Goo gle« gegen die angebliche Entlassung eines Goog le-Mitarbeiters wegen seiner Kritik an der »kulturellen Vielfalt« des Unternehmens mobilisiert werden sollte, führte schon die Ankündigung von Gegenaktionen zur Absage der Kundgebung wegen »terroristischer Bedrohungen durch die Alt-Left«, wie die Verfechter der »weißen Vorherrschaft« in New York jammerten.

Unterdessen verlor US-Präsident Donald Trump seinen bisherigen Strategieberater Stephen Bannon, der sich mit Trumps Stabschef John Kelly darauf geeinigt hätte, »seine Arbeit im Weißen Haus mit sofortiger Wirkung« aufzugeben, wie Trumps Sprecherin Sarah Sanders vergangene Woche verlauten ließ. Nach den Gewaltakten von Charlottesville galt Bannon Kritikern als »geistiger Brandstifter« der faschistischen Gewalt. Der Gescholtene kündigte an, er werde nun wieder »zu meinen Waffen zurückkehren« und wie vor seinem Einsatz für die Wahl Trumps erneut die ultrarechten Breitbart News leiten. Der Nachrichtenagentur Bloomberg erklärte er, weiter gegen Trumps Gegner im Kongress, in den Medien und in der Wirtschaft zu kämpfen. »Ich verlasse das Weiße Haus und ziehe für Trump gegen seine Widersacher in den Krieg«, so Bannon unmissverständlich.

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