Aus: Ausgabe vom 15.08.2017, Seite 1 / Ausland

Venezuela sagt nein zum Imperialismus

Tausende demonstrieren in Caracas gegen US-Drohungen. Pence bekräftigt »militärische Option«

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Einig gegen Venezuela: Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos und US-Vizepräsident Michael Pence am Sonntag in Cartagena

Tausende Menschen haben am Montag im Zentrum der venezolanischen Hauptstadt Caracas gegen die jüngsten Kriegsdrohungen der USA demonstriert. Unter der Losung »Venezuela Antiimperialista« versammelten sie sich am Morgen (Ortszeit) am Sitz des Telekommunikationsunternehmens CANTV an der Avenida Libertador und wollten von dort zum Präsidentenpalast Miraflores ziehen.

US-Vizepräsident Michael Pence hatte am Sonntag (Ortszeit) im kolumbianischen Cartagena die verbale Aggression gegen Caracas fortgesetzt. Nachdem sein Chef Donald Trump am Freitag von einer »militärischen Option« gegen Venezuela gesprochen hatte, legte Pence nach: »Wir werden nicht akzeptieren, dass eine Diktatur in der Hemisphäre entsteht.« Er plädierte zwar für eine »friedliche Lösung«, wollte einen Militäreinsatz aber ebensowenig ausschließen wie weitere Sanktionen.

Die deutsche Bundesregierung sekundierte Washington. Präsident Nicolás Maduro führe Venezuela weg von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, behauptete Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Eine »Rückkehr zur demokratischen Ordnung« solle aber »friedlich und auf diplomatischem Wege« erreicht werden, redete er einer weiteren, allerdings nicht gewaltsamen Einmischung in die inneren Angelegenheiten des südamerikanischen Landes das Wort.

Ähnlich äußerte sich Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag und Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl, im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung. Im Widerspruch zu einer erst im Juni vom Linken-Parteitag in Hannover beschlossenen Solidaritätserklärung sagte Bartsch, die jüngsten Ereignisse in Venezuela hätten »mit demokratisch-sozialistischer Politik nichts zu tun«. Daran komme niemand in seiner Partei vorbei. Immerhin fügte er noch hinzu: »Aber die Drohung von Trump, auch dort militärisch zu intervenieren, muss man natürlich auch kritisieren.« (dpa/AFP/AVN/jW)

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