Aus: Ausgabe vom 14.08.2017, Seite 1 / Ausland

Trump droht Caracas

US-Präsident spricht von »militärischer Option« gegen Venezuela

Von Modaira Rubio, Caracas
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Urlaub voller Drohungen: US-Präsident Donald Trump in seinem Golfklub in Bedminster, New Jersey

US-Präsident Donald Trump schließt eine militärische Aggression gegen Venezuela nicht aus. Nach seinen Drohungen gegen Nordkorea attackierte der nordamerikanische Staatschef am Freitag (Ortszeit) in seinem Golfclub Bedminster in New Jersey die Regierung in Caracas. Nach einem Treffen mit US-Außenminister Rex Tillerson, Sicherheitsberater Herbert Raymond »H. R.« McMaster und der US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nimrata »Nikki« Haley, erklärte Trump: »Wir haben viele Möglichkeiten, mit Venezuela umzugehen, einschließlich einer militärischen Option, wenn es nötig ist. Wir haben Truppen überall auf der Welt, an sehr weit entfernten Orten. Venezuela ist nicht sehr weit weg.«

In Caracas ließen die Reaktionen nicht lange auf sich warten. Venezuelas Verteidigungsminister Vladimir Padrino López erklärte, als General und als Venezolaner könne er die Äußerungen Trumps nur als »irrsinnig« bezeichnen. »Das ist ein Akt des Wahnsinns, eine Tat des äußersten Extremismus.« Das Außenministerium rief in einem offiziellen Statement »die Mitglieder der internationalen Gemeinschaft und die freien Völker der Welt« dazu auf, in unmissverständlicher Weise Trumps »gefährlichen Anschlag auf den Frieden und die Stabilität in der Region und auf der Welt« zu verurteilen.

Auch ein Teil der rechten Opposition reagierte mit Protest auf die Drohungen aus Washington. »Maduro werden wir Venezolaner mit dem Stimmzettel stürzen, nicht mit den Kugeln von Trump!« twitterte der Gouverneur des Bundesstaates Lara, Henri Falcón. »Mit derselben Kraft, mit der wir die schlechte Regierung kritisieren, müssen wir die Absichten einer Invasion Venezuelas verurteilen«, stellte er sich ausdrücklich gegen seine Gesinnungsgenossen, die ihn wegen dieser Distanzierung von Trump attackierten. Das Oppositionsbündnis MUD (Tisch der demokratischen Einheit) äußerte sich nicht.

Schon zuvor hatte das russische Außenministerium erklärt, dass die »internationale Gemeinschaft« zu einer friedlichen Lösung der Krise in Venezuela beitragen solle. »Leider sehen wir häufig das Gegenteil davon.«

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Rudi Eifert: Profitgier Größenwahnsinnig ist nicht nur der US-Präsident selber, sondern es sind auch seine verquasten und angedachten gefährlichen militärischen Optionen gegen Venezuela. Die Vorgehensweise ist bei diesem Wel...
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