Aus: Ausgabe vom 09.08.2017, Seite 6 / Ausland

Schulen bestreikt

Lehrer in Peru sind für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen im Ausstand

Von Rebecca Feld
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Mehr Geld für Bildung gefordert: Seit mehreren Wochen streiken Perus Lehrer

Seit fast 60 Tagen befinden sich die Lehrerinnen und Lehrer in Peru im Streik. Der Protest begann am 15. Juni in Cusco und hat sich in den vergangenen Wochen auf das ganze Land ausgeweitet. Für den kommenden Samstag hat die Lehrergewerkschaft SUTEP zur unbefristeten Arbeitsniederlegung aufgerufen. Auslöser des gewerkschaftlichen Widerstands war ein Vorhaben der Regierung von Präsident Pedro Pablo Kuczynski. Unter dem Deckmantel der »Leistungsbewertung« soll es regionalen Regierungen erleichtert werden, Lehrer zu entlassen, anstatt wie behauptet sie zu fördern.

Die Lehrer kämpfen für sichere Arbeitsbedingungen, eine Erhöhung des Bildungsetats und gegen Privatisierungen in diesem Bereich. Außerdem fordern sie höhere Gehälter und Renten, vielerorts wird zudem die Verbeamtung verlangt, denn damit verbunden sind mehr Rechte sowie zusätzliche staatliche Leistungen. Zur Zeit liegt das Einkommen eines angestellten Lehrers bei etwa 1.200 Soles (325 Euro), das eines verbeamteten Kollegen bei 1.400 bis 1.500 Soles. Gefordert wird ein Grundeinkommen von 2.000 Soles (540 Euro).

Der peruanische Bildungsetat beträgt aktuell etwa 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, der geringste Wert auf dem Kontinent. Von zirka vier Millionen Kindern bis zu fünf Jahren hat lediglich eine Million Zugang zu vorschulischer Bildung. 5,7 Prozent der Bevölkerung über 15 Jahre sind Analphabeten, drei Viertel von ihnen sind Frauen. 500.000 Mädchen in ländlichen Gebieten sind von Schulbildung ausgeschlossen. Die Lehrer fordern eine Erhöhung des Bildungsetats auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Millionen Heranwachsende sind zudem durch mangelnde Gesundheits- und Essensversorgung indirekt benachteiligt. Außerdem müssen viele Kinder neben der Schule noch Geld verdienen.

Wochenlang versuchten die Gewerkschaften, mit dem Bildungsministerium zu verhandeln. Doch die Regierung blockierte und behauptete, bei den streikenden Lehrern handle es sich um »Terroristen«, die ein Überbleibsel der in den 1980er und 1990er Jahren aktiven Guerilla seien. Außerdem erklärte Bildungsministerin Marilú Martens, die Forderungen der Streikenden seien nicht erfüllbar.

Die Regierung versucht auch mit anderen Mitteln, Druck auf die Lehrer auszuüben. Zum einen wird ihnen gedroht, die Streiktage vom Lohn abzuziehen. Zum anderen dürfen höchstens 60 Schultage ausfallen, andernfalls gilt das komplette Schuljahr als nicht abgeschlossen. Diese Regelung würde rund 400.000 Schüler betreffen.

Angesichts der mangelnden Gesprächsbereitschaft der Regierung haben die Lehrer ihre Aktionen ausgeweitet. Ende Juli versuchten sie, den Flughafen von Cusco zu besetzen. Außerdem blockierten sie die Eisenbahnlinien nach Machu Picchu. Dadurch wurde der Tourismus, die wichtigste Einnahmequelle dieser Region, erheblich beeinträchtigt. Wegen der Blockaden wurde Ende Juli der Notstand in fünf Bezirken Cuscos ausgerufen.

Um die Lage zu beruhigen, sah sich das Bildungsministerium gezwungen, zumindest eine Forderung zu erfüllen. Ab Dezember soll ein monatliches Grundeinkommen von 2.000 Soles ausgezahlt werden. Diese Entscheidung wurde ohne Beteiligung der Lehrer getroffen, die darin einen weiteren Grund sehen, der Regierung zu misstrauen. Denn nun steht zur Debatte, dass neben dem Grundeinkommen auch die Zahl der momentan 30 Arbeitsstunden angehoben wird. Außerdem hatte Kuczynski bereits im Wahlkampf im vergangenen Jahr versprochen, das Grundeinkommen für Lehrer zu erhöhen, dies aber nicht umgesetzt.

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