Aus: Ausgabe vom 01.08.2017, Seite 14 / Feuilleton

Die Sprache der Pflanzen

Von Rafik Will
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So klingt der Schrebergarten: Das Datscharadio macht die Privatparzelle zum »öffentlichen Kunst- und Kommunikationsort«

Im Gegensatz zu öffentlichen Parks sind die Parzellen der Kleingärtner normalerweise deren reine Privatangelegenheit. Aber das muss nicht so sein. Um »die Privatesse des Schrebergartens in einen öffentlichen Kunst- und Kommunikationsort« zu verwandeln, öffnet dieses Jahr im August wieder die 2012 von Gabi Schaffner initiierte »temporäre Radiostation« Datscha Radio. Dafür gibt es einen »Open call«: Noch bis einschließlich Samstag, 5.8., können klanggärtnerische Kompositionen, Hörstücke und Features eingereicht werden. Die Themen sind etwa »Die Sprache der Pflanzen und andere Kommunikationen«. Gesucht werden auch neue Jingles sowie a capella gesungene Garten-, Tier- und Pflanzenlieder für das Projekt »The Singing Pool«. Unter dem schönen Programmtitel »Plots & Prophecies – Parzellenprognosen« wird dann vom 25. bis 29. August aus der »Garten- und Siedlergemeinschaft Einigkeit e. V.« im Norden von Berlin gesendet (über 88vier, per mikro.fm und im Livestream). Nähere Infos zum Programm sowie zum Open call finden sich auf datscharadio.de.

Von der Kolonialherrschaft des deutschen Kaiserreichs handelt heute abend Nora Bauer mit ihrem Feature »Unter Deutschen am Volta – Eine deutsch-ghanaische Kolonialgeschichte« (DLF 2017; Ursendung Di., 19.15 Uhr, DLF). Kurz darauf porträtieren Ernst Hartmann und Karl-Heinz Stevens in »Zikadenblau – Klangfarben der Provence« (Autorenproduktion im auftrag des Dlf 2017; Ursendung Di., 20 Uhr, Dlf) einen der bekanntesten Landschaften Frankreichs. Die wunderbare Irm Hermann kann man in Karl-Heinz Böllings »Tschaikowsky oder Eine alleinstehende Frau in ihrer schönen Wohnung« (DRadio Berlin 1999; Mi., 18.30 Uhr, DKultur) erleben. Sie spielt die alleinstehende Frau, die plötzlich mit dem Auftauchen des russischen Komponisten in ihrer Wohnung konfrontiert ist.

Den Karl-Sczuka-Preis bekommt dieses Jahr der Klangkünstler Olaf Nicolai für »In the Woods There is a Bird« (Komposition: Frank Bretschneider). Das Stück vereint sirenenhaftes Synthesizerbrummen mit O-Tönen von Demos rund um den Globus. Entstanden ist es als eine von 32 Auftragsproduktionen in der von Markus Gammel (DKultur) und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (Documenta) kuratierten Reihe »Every Time A Ear di Soun«. In der gibt es diese Woche von Caroline Bergvall die Sendung »Oh my, oh my (Pinktrombone January 21st 2017« (Documenta 14; DKultur 2017; Ursendung Fr., 0 Uhr, DKultur) zu hören, welche die O-Töne vom Londoner Women‘s March gegen US-Präsident Donald Trump klangkünstlerisch aufbereitet.

Um die Entscheidung einer Frau, ohne Vater und mit Samenspende ein Kind zu zeugen, geht es in Kicki Möllers Feature »Die Entscheidung« (DKultur 2017; Ursendung Sa., 18 Uhr, DKultur). Einen Krimi gibt es dann mit Thomas Melles »Ännie. Eine Romantik« (NDR 2017; Ursendung Sa., 21 Uhr, NDR Info). Dorothea Massmann ist mit ihrem empfehlenswerten »Brauch ich! Das Messie-Syndrom« (SWR 2013; So., 14 Uhr, SWR 2) zu hören, während Dominik Busch mit »Unsere Fahrräder wiegen nichts und kosten ein Vermögen« (BR 2017; Ursendung So., 15 Uhr und Wdh. Mo., 20 Uhr, Bayern 2) ein Stück über den modernen Sozialdarwinismus vorlegt. Ebenfalls Premiere haben Etel Adnans »Nacht« (DKultur 2017; So., 18.30 Uhr, DKultur) und Ulrike Klausmanns Zuckerfeature »Die Achse des Süßen« (DLF 2017; So., 20 Uhr, DLF). Als Rausschmeißer noch ein Klassiker: Irina Liebmanns »Sie müssen jetzt gehen, Frau Mühsam« (Rundfunk der DDR 1982; So., 21 Uhr, NDR Info).

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