Aus: Ausgabe vom 01.08.2017, Seite 1 / Ausland

Angriff auf Kobani

Türkische Truppen rücken im Norden Syriens vor. YPG drohen mit Gegenschlag

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Kobani nach der Befreiung der Stadt von der Dschihadistenmiliz IS Anfang 2015

Türkische Truppen sind am Sonntag zeitweilig in den mehrheitlich von Kurden bewohnten Distrikt Kobani im Norden Syriens eingedrungen. Wie der Kommandeur der örtlichen Volksverteidigungskräfte (YPG), Yesar Kobani, am Montag der kurdischen Nachrichtenagentur Anha sagte, war das Ziel der »türkischen Besatzungstruppen« offenbar die Einnahme der Ortschaften Siftek und Bobani. Dazu seien sie bis zu 20 Kilometer weit in den Distrikt vorgerückt. Das Oberkommando der YPG habe die Türkei deshalb gewarnt, dass man auf jeden Angriff oder jedes weitere Vorrücken reagieren werde. Offenbar stoppten die Truppen Ankaras daraufhin den Vormarsch. Wie die kurdische Nachrichtenagentur ANF meldete, zogen die türkischen Truppen jedoch an der Grenze zu Kobani neue Einheiten zusammen. Außerdem hätten Soldaten begonnen, Minenfelder anzulegen.

In den vergangenen sieben Tagen habe die Zahl von Angriffen und Provokationen der türkischen Armee und mit dieser verbündeter Milizen gegen die kurdischen Siedlungsgebiete und den Norden Syriens deutlich zugenommen, zitierte die ANF am Montag eine weitere Stellungnahme der YPG. Zuletzt sei es am Sonntag in den Distrikten Scherawa und Cindirese zu Gefechten zwischen protürkischen »Banden« und Einheiten der YPG gekommen.

Einheiten der syrischen Armee haben derweil nach heftigen Kämpfen gegen die Dschihadistenmiliz »Islamischer Staat« (IS) die Nordgrenze der Provinz Deir Essor erreicht. Nach Angaben des Militärs konnten die Stellungen des IS in den Dörfern Ghanem Ali, Al-Rabiyah und Dschabila durchbrochen werden. Dabei seien mehr als 30 syrische Soldaten getötet worden, auf seiten des IS starben mehr als 50 Dschihadisten. Die syrischen Truppen kämpfen darum, die umkämpfte Stadt Rakka von Süden und Osten her in die Zange zu nehmen. (PL/Anha/ANF/jW)

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