Aus: Ausgabe vom 31.07.2017, Seite 1 / Ausland

Venezuela hat gewählt

Abstimmung über verfassunggebende Versammlung ohne größere Störungen

RTS19QP8.jpg
Wahl vor einem Wandbild von Hugo Chávez: Caracas am Sonntag

In Venezuela ist am Sonntag die verfassunggebende Versammlung gewählt worden. Während das staatliche Fernsehen lange Schlangen vor den Abstimmungslokalen zeigte, mobilisierte die rechte Opposition ihre Anhänger zu einer Protestkundgebung auf der Francisco-Fajardo-Stadtautobahn in Caracas. Wie in den Tagen zuvor folgten allerdings offenbar nur wenige Menschen den Aufrufen der Regierungsgegner. In mehreren Landesteilen errichteten Oppositionelle erneut Barrikaden und attackierten Sicherheitskräfte. In Ciudad Bolívar wurde der Nachrichtenagentur AFP zufolge am Samstag ein Kandidat ermordet.

Die Abstimmung selbst verlief weitgehend störungsfrei, wie die Präsidentin des Nationalen Wahlrats (CNE), Tibisay Lucena, am Vormittag informierte. Angaben zur Beteiligung lagen zunächst nicht vor.

Internationale Medien berichteten über Versuche, Wahlberechtigte zur Teilnahme zu zwingen und eröffneten so den Propagandakrieg um die Interpretation der Beteiligung an der von der Opposition boykottierten Abstimmung. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete etwa, vor der Wahl seien Mitarbeiter staatlicher Unternehmen unter Druck gesetzt worden. Einige Bürger hätten berichtet, ihnen sei angedroht worden, dass sie, sollten sie nicht zur Wahl gehen, den Anspruch auf subventionierte Lebensmittel verlieren würden. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro, der bereits unmittelbar nach Öffnung der Wahllokale um sechs Uhr morgens (Ortszeit) seine Stimme abgab, hatte im Vorfeld solche Spekulationen angeheizt, als er ankündigte, dass auch die »Carnets de la Patria« der Teilnehmer erfasst würden. Diese »Ausweise des Heimatlandes« sind parallele Personaldokumente für die sozialen Missionen der Regierung. Der Besitz des »Carnet« ist für die Venezolaner nicht verpflichtend, für die Wahlteilnahme war nur der Personalausweis notwendig. Das betonte auch Bildungsminister Elías Jaua bei einer Pressekonferenz am Sonntag vormittag.

Die Wahllokale waren bis 16 Uhr Ortszeit (24 Uhr MESZ) geöffnet. Mit konkreten Ergebnissen wurde erst im Laufe des heutigen Montags gerechnet.(AVN/PL/AFP/Reuters/jW)

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Mehr aus: Ausland