Aus: Ausgabe vom 18.07.2017, Seite 14 / Feuilleton

Caruso duscht

Von Rafik Will
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Einer dieser Giganten: Chet Baker (1929-1988)

Die Festivalsaison ist im Gang, und da will auch die ARD mithalten. Seit dem 15. Juli und noch bis zum 9. September läuft auf ihren Kulturwellen das »ARD-Radiofestival«. Sozusagen ein Festival für drinnen statt draußen – als ARD-Einheitsradio auf vielen Stationen täglich ab 20 Uhr mit Konzerten, Lesungen und Gesprächen. Klassik- und Jazzfans dürften auf ihre Kosten kommen, die einzelnen Programmpunkte sind auf der ARD-Website aufgelistet.

In Paris wurde am Sonntag der Verhaftung Tausender Juden durch französische Polizisten vor 75 Jahren gedacht. Die Festgenommenen wurden in die Vernichtungslager der Deutschen gebracht und die meisten von ihnen ermordet. Der Deportation entging 1942 Raymond Federman als Kind, versteckt in einem Schrank. Dieses prägende Ereignis ist der Ausgangspunkt des autobiographischen Hörspiels »Die Stimme im Schrank« (BR/SR 1990; Di., 20.10 Uhr, DLF). Die »Deutsche Akademie der Darstellenden Künste« begeht auch ein Jubiläum: Michael Farins hörspieltheoretisches Feature »Seismographie des Hörspiels« würdigt »30 Jahre: ›Hörspiel des Jahres‹« (BR 2017; Do., 19 Uhr, WDR 3).

Die für Flüchtlinge lebensgefährliche Mittelmeerpassage ist das Thema von Halida Boughriets Soundart-Arbeit für das sogenannte Documenta-Radio »Every Time A Ear di Soun: The Border of the Shadow« (Documenta 14/DLF Kultur 2017; Ursendung Fr., 0 Uhr, DLF Kultur). Passend dazu fragt Barbara Eisenmann: »›Was ist mit dir los, humanistisches Europa …?‹ – Reden zu Europa 1998 bis 2016« (DLF 2017; Fr., 19.15 Uhr, DLF).

Ein besonderes Stück Radiokunst bietet dann Michaela Meliáns »Electric Ladyland« (BR 2016; Fr., 21 Uhr, Bayern 2). Nein, es geht nicht um das berühmte Doppelalbum von Jimi Hendrix, das dieses Jahr 49 Jahre alt wird, sondern um weibliche Androide als Utopieträger. Der berühmten britischen Schriftstellerin Jane Austen, deren 200. Todestag heute ist, wird am Samstag eine »Lange Nacht« gewidmet: »Verführung, Stolz und Sinnlichkeit – Eine Lange Nacht über die Schriftstellerin Jane Austen« von Andreas Beckmann und Regina Kusch (Sa., 0 Uhr, DLF Kultur und 23 Uhr, DLF). Das Hörspiel »Auf der Suche nach Chet Baker« nach dem gleichnamigen »Jazzkrimi« von Bill Moody ist eine Hommage an den großen Heroin-Trompeter des Cool Jazz (NDR 2016; Sa., 0 Uhr, DLF). Um eine etwas andere musikalische Suche geht es in dem Feature »Sonic Blue – Die Entstehung einer Komposition« (ORF 2013; Sa., 9 Uhr, ORF Ö1) von Susanna Niedermayr. Sie begleitete die mexikanische Musikerin Angélica Castelló zum Abhorchen von Walgesängen nach Skandinavien.

Die unerschöpflich produktive Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek legt den letzten Teil der Trilogie »Am Königsweg« (BR 2017; Ursendung Teil 3/3 Sa., 15 Uhr, Bayern 2) vor, in der sie sich den derzeitigen US-Präsidenten vornimmt. In einem Feature beschäftigen sich Sebastian Dörfler und Julia Fritzsche mit dem »Pogrom von Hoyerswerda«, das im September 1991 stattfand, als »einer Reise in die Gegenwart« (DLF Kultur 2017; Sa., 18 Uhr, DLF Kultur).

Nach Franz Kafka geht es dann auf einen Besuch »In der Strafkolonie« (DRS 1981; So., 14 Uhr, HR 2 Kultur). Rainer Schildberger widmet sich dem klingelnden Ball in »Ich renne durch den dunklen Raum und jubele – Ein Blindenfußball-Sommermärchen« (RBB/NDR 2017; So., 14 Uhr, RBB Kulturradio). Und ein Hörspiel mit Andreas Dorau als Komponist sollte man sich auf jeden Fall anhören! Ein solches findet man in David Gieselmanns »Caruso duscht« (WDR 2006; So., 17 Uhr, WDR 5), einer Komödie ums Popbusiness.

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