Aus: Ausgabe vom 18.07.2017, Seite 7 / Ausland

»Frieden ist Freiheit«

Kolumbiens Kommunisten sprechen sich auf ihrem Parteitag für Bündnis mit den FARC aus. Freilassung der politischen Gefangenen gefordert

Von Santiago Baez
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Für den Frieden bereit: Ehemalige FARC-Kämpfer bei der feierlichen Waffenübergabe am 27. Juni in Mesetas

Die Kolumbianische Kommunistische Partei (PCC) und die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), die im Rahmen des Friedensprozesses ihre Waffen abgegeben haben, streben ein Bündnis zu den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr an. Das kündigten Vertreter beider Organisationen am Rande des 22. PCC-Parteitages an, der am Sonntag in Bogotá zu Ende gegangen ist. In welcher Form und mit welchem Kandidaten dies geschehen soll, werde noch diskutiert.

»Die Linke dehnt ihren Einfluss aus und wird dies weiter tun, denn es entstehen neue Kräfte«, erklärte der Generalsekretär der kolumbianischen Kommunisten, Jaime Caycedo, mit Blick auf die künftige legale Rolle der bisherigen Guerilla. Es komme jetzt darauf an, das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Einheit aller fortschrittlichen Kräfte zu stärken. Auch FARC-Comandante Carlos Lozada erklärte, das wichtigste Ziel seiner Organisation sei eine Allianz aller Kräfte, die für den Frieden in dem südamerikanischen Land eintreten.

Die FARC, die mehr als ein halbes Jahrhundert lang den bewaffneten Kampf für einen sozialistischen Umsturz geführt und sich immer als marxistisch-leninistisch verstanden haben, wollen sich voraussichtlich im August als legale Partei konstituieren. In früheren Jahrzehnten galten sie als bewaffneter Arm der Kommunistischen Partei, doch Ende der 80er Jahre lösten sich diese Verbindungen. Trotzdem rissen die informellen Kontakte nie ab, wodurch die PCC ebenfalls zum Ziel der ultrarechten Todesschwadronen wurde.

Der Korrespondent der liberalen Tageszeitung El Espectador zeigte sich in seinem Bericht über den Kongress beeindruckt von der »Wiedergeburt« der PCC, deren letzter Parteitag vor fünf Jahren stattgefunden hatte: »Viele, vor allem die Alten, umarmen sich leidenschaftlich. Sie können kaum glauben, dass ihr Freund, der ihnen nun gegenübersteht und den sie enthusiastisch begrüßen, tatsächlich noch am Leben ist. Als sie ihn das letzte Mal sahen, hatte er noch Haare oder waren diese schwarz. Nun hat er Falten, ist er alt, ist dem Tode näher. Doch da sind auch Jugendliche, viele Jugendliche. Sie sind es, die die politischen Losungen rufen und singen. Es erklingt eine unverwechselbare Melodie. Es ist die Musik der Hymne Kolumbiens, doch der Text ist nicht derselbe. Es ist die revolutionäre Nationalhymne. Der Text wurde 1948 geschrieben, nach dem Mord an Jorge Eliécer Gaitán. Es singen Los Escamillas, die legendäre Musikgruppe der FARC.«

Der erste Kongress der kolumbianischen Kommunisten nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen der Guerilla und der Regierung stand im Zeichen der Umsetzung des Abkommens – und der dabei auftretenden Schwierigkeiten. So unterstützten die Delegierten die Forderung nach sofortiger Freilassung aller wegen Mitgliedschaft in den FARC inhaftierten politischen Gefangenen. Sie solidarisierten sich in einer Erklärung mit dem FARC-Comandante Jesús Santrich, der für dieses Ziel vor knapp drei Wochen in den Hungerstreik getreten war und am Freitag nach einem Zusammenbruch ins Krankenhaus gebracht wurde. Am Sonntag konnte Santrich wieder aus der Klinik entlassen werden. In den Haftanstalten des südamerikanischen Landes verweigern zahlreiche Insassen ebenfalls seit Wochen die Nahrungsaufnahme.

Schon Ende vergangenen Jahres hatte das Parlament in Bogotá entsprechend des Friedensabkommens ein Amnestiegesetz verabschiedet, das die Begnadigung aller wegen Mitgliedschaft in den FARC verurteilten Kämpfer innerhalb von sechs Wochen vorsah. Bisher wurde jedoch nur ein kleiner Teil von ihnen auf freien Fuß gesetzt, da mehrere Richter die Umsetzung des Gesetzes verweigern. »Frieden ist Freiheit, Frieden ist Leben. Wir fordern die Freilassung der Männer und Frauen der FARC«, rief auf dem PCC-Kongress die frühere Senatorin Gloria Inés Ramírez aus.

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