Aus: Ausgabe vom 18.07.2017, Seite 1 / Ausland

Staatlicher Hackerangriff auf Katar?

US-Zeitung: Vereinigte Arabische Emirate stecken hinter politisch motivierter Cyberattacke

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Vollgeschriebenes Wandbild von Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani in der Hauptstadt Doha Anfang Juli

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) stecken laut eines Medienberichts hinter einem Cyberangriff auf Katar, der maßgeblich zur schweren Krise unter den Golfstaaten beigetragen habe. US-Geheimdienste hätten bestätigt, dass hochrangige VAE-Regierungsmitglieder am 23. Mai den Plan und dessen Umsetzung diskutiert hätten, meldete die Washington Post am Sonntag (Ortszeit). Die VAE wiesen den Bericht umgehend als falsch zurück.

Auf der Internetseite der staatlichen katarischen Nachrichtenagentur QNA war am Abend des 23. Mai ein Artikel über eine angebliche Rede von Emir Tamim bin Hamad Al Thani erschienen. In der mutmaßlichen Falschmeldung hieß es, Scheich Tamim habe die arabischen Nachbarn kritisiert, hingegen den Iran und auch die islamistische Palästinenserorganisation Hamas gelobt. Katar erklärte später, Hacker hätten einen gefälschten Bericht auf die QNA-Seite gestellt.

Tamims angebliche Äußerungen lösten damals bei Katars arabischen Nachbarn große Empörung aus. Saudi-Arabien, die VAE, Bahrain und Ägypten brachen Anfang Juni alle diplomatischen Kontakte zu dem Golfemirat ab und schlossen die Grenzen. Sie werfen Katar die Unterstützung von Terrororganisationen und zu enge Verbindungen zum Iran vor. Dies geschah ungeachtet der Tatsache, dass Saudi-Arabien nachweislich selbst islamistische Organisationen auf der ganzen Welt finanziell unterstützt. Die vier Staaten verlangen unter anderem, dass das Emirat den in der Hauptstadt Doha ansässigen TV-Nachrichtenkanal Al-Dschasira schließt.

Die Washington Post beruft sich in ihrem Bericht auf US-Geheimdienstkreise. Es bleibe jedoch unklar, ob die Emirate den Hackerangriff auf Katar selbst ausgeführt oder ihn in Auftrag gegeben hätten. Ende Juni hatte auch Katars Generalstaatsanwalt erklärt, der Hackerangriff sei von einem der vier an der Blockade beteiligten Staaten aus verübt worden. Einzelheiten nannte er jedoch nicht.

Anfang Juni hatte der US-Sender CNN behauptet, russische Hacker hätten möglicherweise die staatliche Nachrichtenagentur von Katar angegriffen und mit einer Falschmeldung zur diplomatischen Krise unter den Golfstaaten beigetragen. (dpa/jW)

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