Aus: Ausgabe vom 17.07.2017, Seite 7 / Ausland

Kein »Arc de Trump«

Macrons Einladung an das »Schreckgespenst« aus Washington verärgerte die Franzosen an ihrem Nationalfeiertag

Von Hansgeorg Hermann, Paris
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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und sein US-amerikanischer Amtskollege Donald Trump am Donnerstag in Paris

Der 14. Juli ist nicht irgendein beliebiges Datum im Kalender der europäischen Union. Der französische Nationalfeiertag ist nicht nur für die Franzosen, sondern auch für ihre Nachbarn und die übrige Welt Symbol für die Befreiung von der absoluten Königs- und Kaiserherrschaft, für die Installation der Republik an Stelle der Monarchie. Am 14. Juli 1789 stürmten das Volk das berüchtigte Gefängnis in der Pariser »Bastille« und löste damit die folgende Revolution aus, die aus Untertanen einigermaßen freie Menschen in einem einigermaßen demokratisch regierten Staat machte. Zu so einem Tag ein »Schreckgespenst« der internationalen Politik einzuladen, wie die Hauptstadtzeitung Libération am Samstag kritisch anmerkte, war den Franzosen offenbar nicht recht. Immobilienhai Donald Trump, im Nebenberuf amerikanischer Präsident, war in Paris ein gar nicht gern gesehener Gast.

Warum der französische Staatschef Emmanuel Macron ausgerechnet ihn zum traditionellen Defilee der Armee am Freitag auf die Tribüne an den Champs-Élysées gebeten hatte, war den Kommentatoren in Zeitungen und Fernsehanstalten nicht ganz klar. Trump ist erklärter Gegner des Pariser Klimaabkommens COP 21, und er hatte nicht einmal etwas aus den USA mitgebracht, das die französische Wirtschaft hätte interessieren können – Verträge mit Rüstungs- oder Chemiekonzernen beispielsweise. Trump kam, setzte sich mit Macron zu einem »Diner unter Freunden« in die zweite Etage des Eiffelturms, ließ sich im Restaurant »Jules Verne« vom dortigen Michelin-Sternekoch Alain Ducasse ein Luxusmahl servieren, glotzte tags darauf in den verschmutzten Himmel über der Seine, wo die Flugzeuge de »Patrouille de France« die französischen Nationalfarben Blau, Weiß, Rot in die Wolken malten, und verschwand am Nachmittag wieder Richtung Heimat. Zurück blieben einige zehntausend Urlauber, die nicht in die langersehnten Ferien fliegen konnten, weil das Sicherheitspersonal für den Abflug des seltsamen Besuchs den Luftraum über der Île-de-France gesperrt hatte.

Wie die Fernsehbilder zeigten, hatten sich Trump und Macron prächtig amüsiert. Der Franzose, der an diesem besonderen Tag offenbar vorführen wollte, wie mit Marschmusik und absolutistisch-barockem Gepränge aus einer Republik wenigstens für ein paar Stunden wieder eine Monarchie werden kann, beeindruckte Trump sichtlich. »Ein Paria in Paris« titelten die Zeitungen am Freitag, keiner, den man an der Seine liebt. Er habe den Mann aus Washington in »privater Atmosphäre« – so nennt Macron wohl den Vorbeimarsch aller denkbaren Militäreinheiten auf der Prachtstraße zwischen dem Arc de Triumphe und der Place de la Concorde, dem Platz der Eintracht – davon überzeugen wollen, wie wichtig das Umweltabkommen und die Rolle der amerikanischen Vettern in dieser Vereinbarung seien. Trump mag zugehört haben, wenn Macron redete, vermuteten die französischen Medien anderntags, verstanden habe er vermutlich nicht viel.

Kein regierungsoffizielles Kommuniqué, keine Ergebnisse, nur heiße Luft über der verschmutzten Seine-Metropole. Der niederländische Karikaturist »Willem« zeichnete in der Freitagausgabe der Libération, wie Macron dem amerikanischen Onkel wohl vergeblich erklären wollte, dass der vom Imperator Napoleon I. 1806 nach dem »gewonnenen« Gemetzel bei Austerlitz in Auftrag gegebene Triumphbogen nicht etwa »Arc de Trump«, sondern tatsächlich »Arc de Triomphe« heiße.

Erwähnenswert war den einigen hundert Reportern des Landes in erster Linie, wie Trump sich – mal wieder – über eine Frau äußerte, diesmal die des Gastgebers Macron. Sie sei »wirklich gut in Form«, sagte er Gemahlin Brigitte, damit wohl auf den Altersunterschied des Paares anspielend.

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