Aus: Ausgabe vom 23.06.2017, Seite 11 / Feuilleton

Und natürlich: Hannes Wader!

Der Sänger, den man nur bewundern kann, wird heute 75

Von Konstantin Wecker
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»Kein Dichter im Nachkriegsdeutschland hat so berührende Lieder gegen den Krieg geschrieben wie Du« – Hannes Wader und Konstantin Wecker bei »Künstler für den Frieden« 1982 in Bochum

Was war das doch für eine Freude, lieber Hannes, mit Dir wieder zu singen! Am 12. Juni hast Du mich besucht bei meinem Konzert in Wolfhagen, wir haben zwei Deiner wunderschönen Lieder – »Schon so lang« und »Gut wieder hier zu sein« – spontan zusammen gesungen, und das Publikum wollte Dich nicht mehr von der Bühne gehen lassen.

Vor fast 20 Jahren hatten wir unsere erste gemeinsame Tour, und unsere Stimmen passen immer noch so schön zusammen wie damals.

Kein Dichter im Nachkriegsdeutschland hat so berührende Lieder gegen den Krieg geschrieben wie Du. Und nicht nur dafür werde ich dir immer dankbar sein. »Und natürlich: Hannes Wader!« schrieb ich in meiner Biographie vor einem Jahr. »Mit ihm verbinden mich mehrere Tourneen und Auftritte, viele spannende Stunden, gemeinsame Rotweinabende, seine unvergleichlichen Lieder, seine sanfte schöne Stimme und viel Freude.«

Ich werde nie vergessen, wie ich Hannes zum ersten Mal persönlich begegnete. Es war im »Chez Margot«, einer Studentenkneipe in Schwabing, wo allnächtlich die Revolution ausgerufen wurde und die Welt neu geordnet. Der hagere, schüchterne Junge mit dem unverkennbaren Spitzbart war umringt von Studenten, die ihn mit ihren Ideologien fast erschlugen und das Gefühl vermittelten, einzig sie wüssten, wie man politische Lieder zu schreiben habe.

Sie bewunderten ihn natürlich alle, denn sie waren alle in seinem Konzert gewesen, aber damals musste man Bewunderung eben hinter Kritik verstecken. Mich kannte er natürlich nicht, denn ich versuchte zu der Zeit mehr schlecht als recht, für meine sadopoetischen Gesänge ein Publikum zu gewinnen. Aber er tat mir leid, denn sicher wollte er nur wohlverdient abhängen nach seinem Auftritt, und deshalb wollte ich ihm etwas Nettes sagen. Ich hab’ mich dann doch nicht getraut. Vielleicht hätte er es damals auch als Provokation missdeutet.

Über vierzig Jahre sind vergangen seitdem, und meine Bewunderung für Dich und Deine Lieder ist geblieben. Sicher haben auch sie dazu beigetragen, dass ich mich immer mehr auch politischen Themen zuwandte, und einige Verse fand ich so schön, dass ich nicht umhin kam, sie mir auszuleihen.

Lieber Hannes, lieber Freund, ich wünsche Dir alles erdenklich Liebe zu Deinem Geburtstag. Und ich glaube ganz fest daran, dass wir am 12. Juni nicht zum letzten Mal gemeinsam auf einer Bühne standen.

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