Aus: Ausgabe vom 22.06.2017, Seite 16 / Sport

»Je stärker, desto besser!«

Nun freue dich, abgehängter Osten: RB Leipzig darf in der CL antreten

Von Stefan Malta
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Na klar, Leipzig kommt, nun sogar »nach Europa«, wie man so sagt

In der Fußballheldenstadt Leipzig darf man sich jetzt noch mehr freuen. Seine Rasenballsportler dürfen in der Champions League antreten. Das hat die UEFA am Dienstag abend mitgeteilt. »RB Leipzig darf wie erwartet Champions League spielen. Das Internet darf sich wie erwartet darüber aufregen. Und wir verfallen wie erwartet in Schnappatmung«, war auf der Website von 11 Freunde zu lesen.

Hätte sich die UEFA dem aufgepumptesten Klub Deutschlands verweigert, wäre dies tatsächlich einer Sensation gleichgekommen, ein letztes Aufflackern sportmoralischer Überlegungen abseits kommerzieller Sachzwänge. Weil mit dem angeblichen Überraschungsaufsteiger und Vizemeister Rasenballsport Leipzig und Red Bull Salzburg, dem österreichischen Dauermeister seit 2014, zwei Klubs eines »Sponsors« in der Champions League spielen sollen, hatte die UEFA so getan, als könnte sie sich am »Engagement« des Red-Bull-Konzerns stören. Aber warum auch? Es ist der aktuellste Ausdruck des sportkapitalistischen Verwertungsdrucks, dessen nächste Stufe bereits nach Abschluss der kommenden Saison gezündet wird, wenn die Freundschaftsspiele der Nationalmannschaften durch die neugegründete Nations League ersetzt werden.

Hätte die UEFA unter Artikel 5 ihres Wettbewerbsreglements (Integrität des Wettbewerbs) eine zu starke Verflechtung der beiden von Red Bull »unterstützten« Vereine festgestellt, wäre Leipzig gesperrt worden. Diese Gefahr wurde aber in den vergangenen Monaten durch Feinarbeiten in der ornamentalen Organisationsstruktur abgewendet. Der sehr umsichtige Ralf Rangnick, einst Sportdirektor bei beiden Klubs, arbeitet nur noch für Leipzig. RB-Chef Oliver Mintzlaff trat als »Head of Global Soccer«, verantwortlich für die Fußballaktivitäten des Konzerns, zurück und verlagerte seine Arbeit ebenfalls nach Deutschland. Red Bull hält zwar in Leipzig 99 Prozent der Eigentumsanteile der Rasenballsport GmbH und verfügt über 49 Prozent der Stimmen. In Salzburg hat sich der Getränkehersteller aus der Klubführung offiziell zurückgezogen und tritt nur noch als Hauptsponsor auf.

Der UEFA reichten diese Maßnahmen, doch Verbindungen zwischen Leipzig und Salzburg sind weiterhin offensichtlich – vor allem bei Transfers. Eine ganze Reihe von Spielern ging den Weg aus Österreich nach Deutschland. Wie andernorts die U-23-Mannschaften der Vereine fungiert der österreichische Serienmeister als besserer Ausbildungsklub für den deutschen Bundesligisten, nur dass es sich dabei offiziell um zwei verschiedene Vereine handelt, weshalb bei Transfers auch Ablösesummen gezahlt werden, immerhin.

Verschiedentlich wurden die Auftritte von RB Leipzig unter dem neuen Trainer Ralph Hasenhüttl im Verlauf der ersten Bundesligasaison als spielerisch erfrischend beklatscht, ganz so, als sollte der fußballerisch wie finanziell abgehängte Osten dem Image der angeblich belebenden Kraft der Limonade folgen, die ihn nun sogar »nach Europa« bringt, wie immer wieder gern behauptet wird. »Ich hab’ schon immer gesagt: Je stärker, desto besser!« sagt Hasenhüttl über die Klubs, die jetzt kommen. RB sucht neue Gegner.

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