Aus: Ausgabe vom 21.06.2017, Seite 1 / Ausland

Warnung aus Moskau

Abschuss von syrischem Kampfflugzeug durch USA: Russland will »alle Objekte« als Ziel betrachten

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Der Luftkrieg eskaliert: Flugzeug der russischen Luftwaffe im Januar über Syrien

Nach dem Abschuss eines syrischen Kampfflugzeugs durch die USA hat sich die russische Regierung alarmiert über die eskalierende Lage in Syrien gezeigt. Das Vorgehen der US-geführten internationalen Koalition bereite »sehr große Sorgen«, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, am Dienstag in Moskau.

Ein US-Flugzeug hatte am Sonntag eine syrische Suchoi Su-22 abgeschossen. Aus Washington hieß es, die syrische Maschine habe sich Einheiten der von den kurdischen YPG dominierten »Syrisch-Demokratischen Kräfte« (SDK) genähert. Der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow sprach anschließend von einem »Akt der Aggression« und warf den USA vor, Terroristen zu unterstützen. Das Verteidigungsministerium in Moskau kündigte an, in Zukunft alle Objekte wie Flugzeuge und Drohnen im russischen Einsatzgebiet über Syrien als Ziele zu betrachten. Zudem kappte Moskau den Kommunikationskanal mit den USA, der Zwischenfälle im syrischen Luftraum vermeiden helfen sollte.

Als Reaktion auf die Warnung Moskaus hat Australien seine Beteiligung an den Luftangriffen ausgesetzt. Wie das Verteidigungsministerium in Canberra am Dienstag mitteilte, handelt es sich um eine vorübergehende Vorsichtsmaßnahme. Die Einsätze im benachbarten Irak würden weitergeführt.

Die Bundeswehr sieht sich dagegen hinsichtlich ihrer Aufklärungsflüge über Syrien nicht beeinträchtigt. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte am Dienstag der Deutschen Presseagentur, die Auswirkungen auf den Flugbetrieb seien »beherrschbar«. Man erwarte, dass sich die Lage »aufgrund der Entspannungsbemühungen der US-Streitkräfte« in den nächsten Tagen wieder normalisiere.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA berichtete am Dienstag von einem »neuen Massaker der von den USA geführten internationalen Koalition«. Zwölf Zivilisten seien am Montag abend in Tel Al-Schajer nahe der syrisch-irakischen Grenze getötet worden, als US-Flugzeuge Angriffe in der Umgebung von Hasaka flogen. (dpa/Reuters/SANA/jW)

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