Aus: Ausgabe vom 20.06.2017, Seite 1 / Ausland

Die Franzosen gehen baden

Zweite Runde der Parlamentswahlen: 57,3 Prozent Nichtwähler. Absolute Mehrheit für Macron

Von Hansgeorg Hermann, Paris
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Selfie-Präsident: Emmanuel Macron (links) am Sonntag in Le Touquet

Die Franzosen haben einen nahezu acht Monate langen Wahlmarathon hinter sich. Am Sonntag gingen nur noch etwas mehr als 20 Millionen der rund 47 Millionen Wahlberechtigten an die Urnen. Am drückend heißen Wahltag fuhren viele zum Baden. Das bürgerlich-neoliberale Wahlbündnis des am 7. Mai gewählten Präsidenten Emmanuel Macron aus »La République en marche« (REM) und »Mouvement Démocrate« (MoDem) erreichte wie erwartet eine satte absolute Mehrheit. Sie wird 350 der 577 Plätze in der Nationalversammlung besetzen.

Der Linken aus Kommunisten (PCF) und der Bewegung »La France insoumise« (LFI) gelang ein Achtungserfolg. Im Parlament sitzen künftig 16 Vertreter der LFI und elf Kommunisten.

Den Sozialdemokraten des Parti Socialiste (PS) gelang es zumindest, »die Möbel zu retten«. So jedenfalls sah es ihr Parteisekretär Jean-Christophe Cambadélis. Der PS errang 29 Sitze und wird zusammen mit Bündnispartnern insgesamt 44 Abgeordnete stellen. In den vergangenen fünf Jahren hatten Staatschef François Hollande und sein Ministerpräsident Manuel Valls 395 Deputierte hinter sich.

Valls selbst entging nach seiner schmählichen Niederlage bei den PS-Vorwahlen zur Präsidentschaftskandidatur im Januar nur knapp einer erneuten Demütigung. Mit nur 139 Stimmen Mehrheit behauptete er seinen Wahlkreis Esonne im Süden von Paris vor der LFI-Kandidatin Farida Amrani.

Die »Republikaner« errangen unter ihrem neuen Wortführer François Baroin – früher Finanzminister unter Nicolas Sarkozy – 113 Sitze. Baroin, der seine Fraktion daher für »die einzige ernstzunehmende Opposition« hält, erklärte gleichwohl, dass seine Leute und er die Politik des Präsidenten in weiten Teilen zu unterstützen gedenken. Gewählt ist auch die Führerin des faschistischen Front National (FN), Marine Le Pen. Sie und ihre Formation errangen in den Wahlkreisen um die Hafenstadt Calais am Ärmelkanal vier Direktmandate und werden mit insgesamt acht Abgeordneten im neuen Parlament sitzen, ohne allerdings Fraktionsstatus erreicht zu haben.

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