Aus: Ausgabe vom 20.06.2017, Seite 10 / Feuilleton

Mama, was habe ich getan?

Stand-up-Comedian Amy Schumer unter feindlichen Latinos: Die Filmkomödie »Mädelstrip«

Von Maxi Wunder
DF-13441_R2_1400.jpg
Und dann auch noch ohne Smartphone (Amy Schumer und Goldie Hawn)

Die temporeiche Filmkomödie »Mädelstrip« handelt von der Gesundung einer ganz normal verkorksten Mutter-Tochter-Beziehung, für die allerdings ein paar Männer über die Klinge springen müssen. Mutter Linda (Goldie Hawn) war mal ein heißer Feger, doch seit der Scheidung vereinsamt sie in New York mit ihren Katzen und dem nerdigen Muttersöhnchen Jeffrey. Die ausgezogene Tochter Emily (Amy Schumer) will sich eigentlich aus den Fängen der überfürsorglichen Mutter befreien, aber daraus wird nichts. Ebenfalls von ihrem Kerl verlassen, sucht Emily dringend eine Ersatz-Reisebegleitung nach Ecuador, und niemand anderes als Mutter Linda ist dazu bereit.

Kaum in Ecuador angekommen, werden die beiden Frauen von dem Latino-Gangsterboss Morgado gekidnappt, nach Kolumbien verschleppt und müssen im Angesicht giftiger Skorpione (aufregend fotografiert von Florian Ballhaus) ihre PIN-Nummern rausrücken. Der verpeilte Jeffrey soll zudem Lösegeld zahlen. Er wendet sich verzweifelt an das State Department und erhält eine Abfuhr: Die Damen mögen sich bitte an die Botschaft in Bogota wenden, Entführungen passierten schließlich jeden Tag. Aber wie, wenn der Gangster Emily das Smartphone abgenommen hat? (Übrigens Anlass für maximale Hysterie bei der jungen Frau: Sie kann keine Selfies mehr machen!) Unter Anwendung roher Gewalt gelingt es ihr, sich und die Mutter zu befreien, die beiden irren abgerissen und hungrig durch den Urwald, zunächst mit Unterstützung eines Landsmanns und Aussteigers, der leider in einen Abgrund stürzt, dann unter der Obhut eines genialen Indios, der Emily von einem ekligen Bandwurm befreit, aber immer verfolgt vom bösen Morgado und seinen Leuten.

Als die Frauen getrennt werden, muss Emily ihre Mutter retten, und zufällig liegen im richtigen Augenblick Spaten, Harpunen und wohlsortierte Werkzeugkisten bereit. Sie räumt die feindlichen Männer aus dem Weg, und die erste aufrichtige Anerkennung der Mutter nach vielen Zickereien – »Du bist eine wirklich begabte Mörderin« – leitet einen Prozess der emotionalen Annäherung ein. Sarkasmus zieht sich durch den Film, bis hin zum absichtlich albernen Showdown, nach dem sich Mutter, Tochter und der nun doch mit Spezialeinheit angereiste Sohn selig in den Armen liegen.

Die in den USA zur Zeit wohl angesagteste Comedian Amy Schumer hat als Mitproduzentin ein beachtliches Komikeraufgebot zusammengestellt: Stand-up-Comedian Wanda Sykes tritt als belehrende Quatschtante auf und Joan Cusack als ehemalige CIA-Spezialagentin mit rausgeschnittener Zunge. Die Hilfsversuche der beiden sind zum clownesken Scheitern verurteilt. Der bekannte TV-Komiker Al Madrigal spielt einen Botschaftsangestellten, der unfähig ist, ein Telefon zu bedienen und dem sein Feierabend wichtiger ist als die Rettung zweier US-Bürgerinnen.

Neben solcherart persiflierten Typen und witzigen Dialogen gehört eine erstaunliche Unbefangenheit im Zeigen weiblicher Gewalt zu den Stärken des Films. Sie wird allerdings – wie alles – ironisch gebrochen: Nach einem tödlichen Spatenhieb gegen den Kopf eines Verfolgers kommt Emily fast um vor Sorge um das Leben des armen Mannes, den sie soeben niedergestreckt hat: »Oh mein Gott, Mama, was habe ich getan? Meinst du, er wird wieder gesund?« Darauf Linda: »Ich weiß nicht, ich habe sein Gehirn gesehen.« Ein lustiger Film, aber man könnte sich daran stören, dass dicke, geliftete US-Amerikanerinnen arme, dünne Latinos töten.

»Mädelstrip«, Regie: Jonathan Levine, USA 2017, 90 min, bereits angelaufen

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Mehr aus: Feuilleton