Aus: Ausgabe vom 08.06.2017, Seite 16 / Sport

Hören Sie etwas? Katar ist wieder mal im Gerede

Trainingslager_Bayer_52090278.jpg
War da was? Bayern in Katar, Januar 2017

Der FC Bayern hält sich bedeckt, nachdem das Emirat Katar am Golf zwischen die Fronten geraten ist und von einer saudischen Koalition boykottiert wird, angeblich wegen »Unterstützung von Terrororganisationen«. Aber sehr viele deutsche Spitzenpolitiker wollen Katar mal wieder die Fußball-WM 2022 entziehen. Diesmal mit weniger stichhaltigen Argumenten als der Sklavenarbeit auf den WM-Baustellen. Unionsfraktionschef Volker Kauder nannte es in der Passauer Neuen Presse vom Mittwoch »kaum vorstellbar«, dass in einem Land, aus dem der Terrorismus massiv unterstützt werde, ein WM-Turnier ausgetragen werden könne. »Die Vorwürfe wiegen zu schwer.«

Hintergrund der Zuspitzung am Golf ist der Unwille Katars, sich an einer Frontstellung gegen Iran zu beteiligen. Für Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) »nur ein weiterer trauriger Beleg dafür, dass Katar als Austragungsort für eine Fußball-WM denkbar ungeeignet ist«, wie Springers Welt am Mittwoch wiedergab.

Die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag (SPD), wünschte sich am Mittwoch im RBB-Inforadio eine Stellungnahme »insbesondere von der FIFA. Hören Sie etwas im Moment? Ich jedenfalls nicht.« Sie könne sich derzeit ähnlich wie Kauder nur mit Mühe vorstellen, dass in Katar »ein sportliches Weltereignis stattfinden soll«, aber »das Jahr 2022, das ist noch eine Zeit hin«.

Womit wir beim FC Bayern wären, den ein langfristiger Sponsorenvertrag an Katar bindet, der dort auch regelmäßig im Wintertrainingslager ist. »Die aktuelle politische Situation am Golf und die Vorwürfe von Nachbarstaaten gegen Katar kann der FC Bayern derzeit nicht bewerten«, hieß es in einem Statement, das Sport-Bild dem Rekordmeister abrang. Im übrigen beriefen sich die Bayern auf Frank-Walter Steinmeier, der ihnen 2016 als Außenminister versichert habe, dass »sehr viele deutsche Unternehmen in Katar wirtschaftliche Beziehungen pflegen«, gegen eine Kooperation also »nichts einzuwenden« sei.

Wahrscheinlich hält es der FC Bayern wie der Weltturnverband, dessen Präsident Morinari Watanabe am Rande des Turnfestes in Berlin am Mittwoch mit Blick auf die WM 2018 in Doha sagte: »Wir haben einen Plan B ausgearbeitet. Aber es ist nicht der Moment, ihn schon zu veröffentlichen.« (dpa/sid/jW)

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Mehr aus: Sport