Aus: Ausgabe vom 06.06.2017, Seite 8 / Abgeschrieben

Aufruf zur Unterstützung der Konferenz »50 Jahre israelische Besatzung« in Frankfurt am Main

Am 9. und 10. Juni veranstaltet der »Deutsche Koordinationskreis Palästina Israel« (KoPI) in Frankfurt am Main die Konferenz »50 Jahre israelische Besatzung – Unsere Verantwortung für eine friedliche Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts«. Am Montag erhielt jW unter der Überschrift »50 Jahre israelische Besatzung – zu einigen aktuellen ›linken‹ Äußerungen über Antisemitismus und Palästina« folgende Stellungnahme der Gruppe »Free Palestine Frankfurt«:

Die Frankfurter Gruppe »Thunder in Paradise« hat dazu aufgerufen, sich einer Protestkundgebung gegen die Konferenz »50 Jahre israelische Besatzung« anzuschließen, die am kommenden Freitag und Samstag im Frankfurter Ökohaus stattfinden wird (zur Konferenz: www.kopi-online.de/).

Bei der Protestkundgebung gegen diese als »antisemitisch« verunglimpfte Konferenz linker Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Israel, Palästina und Deutschland werden CDU, Grüne, SPD und Jutta Ditfurth auftreten. Sie wird unmittelbar am Versammlungsort der Konferenz stattfinden. Man kann davon ausgehen, dass Teilnehmer der Gegenkundgebung die Konferenz stören oder behindern wollen.

»Thunder in Paradise« überschreibt den Aufruf, sich an der Kundgebung gegen die Konferenz zu beteiligen, mit »Palästina, halt’s Maul!« Das klingt schon fast wie »Juda, verrecke!«.

»Thunder in Paradise« ist im vergangenen Herbst mit einer vom Allgemeinen Studentenausschuss (AStA) der Universität unterstützten Veranstaltungsreihe »Feindanalysen« hervorgetreten, auf der bekannte »antideutsche« Ideologen wie z. B. Thomas Maul öffentlich und vom anwesenden Mainstream der gesamten Frankfurter »radikalen Linken« unkritisiert verkünden konnten, »der Islam« sei faschistisch. Er forderte auch ein Kopftuchverbot. Pegida und AfD lassen grüßen.

Sind »Feindanalysen« so etwas wie der heutige Sound von Carl Schmitt (1888–1985, Staatsrechtler, engagierte sich für die Diktatur des deutschen Faschismus und definierte Politik als Fähigkeit zur Unterscheidung von Freund und Feind, jW), so ist die Feinderklärung des Islam die passende Begleitmusik zur Linie des deutschen Imperialismus nach innen und nach außen. Damit haben offenbar die zum Protest gegen die Konferenz »50 Jahre israelische Besatzung« Aufrufenden kein Problem. Mögen sie selber vielleicht auch nicht »Palästina, halt’s Maul!« rufen oder »den Islam« für das entscheidende Gegenwartsproblem erklären – sie denken es wahrscheinlich.

Die sich als internationalistisch und antiimperialistisch verstehende Frankfurter Linke schweigt bislang zu alledem. So, wie sie im Herbst zu »Feindanalysen« schwieg. Man will anscheinend keine Auseinandersetzung in der eigenen Szene. Aber auch Schweigen ist eine Positionierung.

Die Gruppe »Free Palestine Frankfurt« ruft alle Menschen, die gegen die Besatzung und Unterdrückung Palästinas sind, auf:

Kommt am Freitag, dem 9. Juni 2017, um 17 Uhr zum Westbahnhof und zum Ökohaus!

Lasst uns dafür sorgen, dass die Konferenz ungestört arbeiten kann!

Setzt mit uns ein Zeichen für die Solidarität von unten gegen Rassismus, Krieg – und gegen die Herrenmenschenideologie von »Linken« wie »Thunder in Paradise«!
Mobilisiert mit uns – verbreitet diese E-Mail über Eure persönlichen Netzwerke!

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