Aus: Ausgabe vom 06.06.2017, Seite 1 / Titel

Säbelrasseln für Trump

Vier arabische Staaten brechen ihre Beziehungen zu Katar ab – vermutlich nach Abstimmung mit den USA. Kritik aus Teheran

Von Knut Mellenthin
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Ein »Schwerttanz« für Donald Trump in Riad, anlässlich seines Besuchs in Saudi-Arabien am 20. Mai

Saudi-Arabien hat am Montag seine diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Zugleich vollzogen auch die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten diesen Schritt. Die Maßnahme wurde vermutlich nach Konsultationen mit der US-Regierung beschlossen. Präsident Donald Trump hatte den Saudis vor zwei Wochen einen zweitägigen Besuch abgestattet.

Die vier Staaten gaben am Montag bekannt, dass sie auch alle Verkehrsverbindungen mit Katar unterbrochen haben. Das Fürstentum wurde außerdem aus der saudisch geführten Allianz ausgeschlossen, die seit März 2015 Krieg im Jemen führt.

Saudi-Arabien und seine Verbündeten begründeten den Bruch mit jeweils eigenen, aber inhaltlich weitgehend übereinstimmenden Erklärungen. Katar unterstütze terroristische Gruppen, »deren Ziel es ist, die Re­gion zu destabilisieren«, lautet der gemeinsame Nenner. Dem Fürstentum wird außerdem seine vergleichsweise offene Haltung gegenüber dem Iran vorgeworfen.

In einer ersten Stellungnahme twitterte der stellvertretende Bürochef des iranischen Präsidenten Hassan Rohani, Hamid Abutalebi, am Montag, dass der Schritt der vier Staaten »das erste Ergebnis des Schwerttanzes« sei. Trump hatte sich während seines Besuchs in Riad neben König Salman und anderen saudischen Würdenträgern für die Medien in einen traditionellen Tanz mit Schwertern eingereiht. Die Zeit der Bildung von Koalitionen, der Strafmaßnahmen und des Abbruchs diplomatischer Beziehungen sei vorbei, heißt es weiter in Abutalebis Botschaft.

US-Außenminister Rex Tillerson, der sich am Montag zu einem offiziellen Besuch in Australien aufhielt, appellierte an die Streitparteien, »sich zusammenzusetzen und ihre Meinungsverschiedenheiten zu klären«. Aus Sicht seiner Regierung sei es wichtig, dass der ­Golf-Kooperationsrat zusammenbleibt. Diesem Staatenbund gehören mit Ausnahme Jemens alle Staaten der arabischen Halbinsel an. Tillerson äußerte sich zugleich zuversichtlich, dass der Konflikt »den gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus in der Region und weltweit« nicht wesentlich beeinträchtigen werde.

Katar ist für die USA von enormer militärstrategischer Bedeutung. Die Halbinsel, die kleiner ist als Schleswig-Holstein, beherbergt mit rund 10.000 Soldaten die größte Konzentration US-amerikanischer Streitkräfte im ganzen arabischen Raum und einen Luftwaffen-Stützpunkt. Seit 2002 hat das in Tampa, Florida, beheimatete Zentralkommando (Centcom), das unter anderem für die Kriegführung der USA in Afghanistan, im Irak und in Syrien zuständig ist, ein vorgeschobenes Hauptquartier in Katar.

Zwei Politiker aus der Ära von Trumps Vorgänger Barack Obama hatten vor wenigen Tagen einen Abzug aus Katar befürwortet: der frühere Verteidigungsminister Robert Gates und der Iran-Berater von Obama und Hillary Clinton, Dennis Ross. Der republikanische Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des Abgeordnetenhauses, Edward Royce, äußerte sich im gleichen Sinn. Royce und Gates waren Teilnehmer einer Anti-Katar-Konferenz der neokonservativen »Foundation for Defense of Democracies«, die am 23. Mai in Washington stattfand.

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