Aus: Ausgabe vom 20.05.2017, Seite 4 (Beilage) / Fotoreportagen

Bohren im Riff

Ölmulti Total S. A. will im Norden Brasiliens riesige Erdöllager erkunden. Schwere Umweltschäden befürchtet

Tosende Wellen an der Küste von Amapá
Gefährdetes Paradies: Scharlachsichler in der Nähe eines Mangrovensumpfs an der Küste von Amapá
Fischerboote auf dem Oiapoque-Fluss
Am Ufer des Flusses Amapá Grande wird der Fang entladen
Ein Fischer arbeitet am Oiapoque-Fluss an einem seiner Netze
Eine Familie sitzt in der Gemeinde Calcoene in Amapá neben ihrem Haus
Essenszubereitung am Oiapoque-Fluss
Kinder aus der Bevölkerungsgruppe der Karipuna spielen vor einem Haus am Oiapoque

Tief im Meer, an Brasiliens nördlichster Küste, hofft der französische Öl- und Gasmulti Total S. A. auf die Entdeckung riesiger Rohstoffvorkommen. Im Hafen von Bélem hat man bereits schweres Gerät gelagert, um so bald wie möglich mit den ersten Probebohrungen beginnen zu können. Sie sollen in 120 Kilometer Entfernung von der Küste stattfinden. Laut den Schätzungen einiger Geologen könnten sich in dem Foz (Mündung) do Amazonas genannten Gebiet bis zu 14 Milliarden Barrel Öl befinden – mehr als die gesamten bisher entdeckten Ölreserven in Mexiko.

Allerdings wurde nur 28 Kilometer entfernt von der Stelle, an der das französische Unternehmen und seine Partner – die britische BP PLC und die staatliche brasilianische Ölgesellschaft Brasileiro SA – ihre Bohrungen planen, ein großes Korallenriff entdeckt. Es liegt in einer Tiefe von bis zu 120 Metern. Wissenschaftler konnten die Existenz des Riffs erst vor fünf Jahren definitiv bestätigen – just zu der Zeit, als die brasilianische Regierung eine Ausschreibung für Bohrlizenzen machte.

Umweltschutzgruppen, unter ihnen Greenpeace, fordern den Staat nun auf, die Bohrungen in dem Gebiet zu untersagen. Sie vermuten, dass das mehr als 1000 Kilometer lange Korallenriff eine Heimat für bislang unentdeckte Meereslebewesen sein könnte. Wissenschaftler sind besorgt, dass freigesetztes Rohöl aus dem Foz do Amazonas den Naturreichtum zerstören könnte, bevor überhaupt mit seiner Erforschung begonnen wurde. Außerdem werden schwere Umweltschäden in Brasiliens nördlichem Bundesstaat Amapá befürchtet. Dort befänden sich die weltweit größten Mangrovenwälder sowie Tausende Quadratkilometer unberührten Regenwalds, erklärte der Umweltwissenschaftler Valdenira Ferreira.

»Das hier ist das größte ökologisch sensible Gebiet in Brasilien«, sagt Ferreira, der für das Forschungsinstitut von Amapá arbeitet. Das Institut ist an der Durchführung einer Studie für das nationale Umweltministerium beteiligt. (Reuters/jW)

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