Aus: Ausgabe vom 20.05.2017, Seite 8 / Ansichten

Rolling Stones des Tages: OSZE-Beobachter

Von Reinhard Lauterbach
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OSZE-Mitarbeiter unterhalten sich mit ukrainischem Militär (September 2016)

Die inzwischen etwa 800 Angehörigen des OSZE-Einsatzes im Donbass haben wahrscheinlich trotz ihres sehr ordentlichen Gehalts inzwischen Heimweh. Kann man ja auch verstehen. Es fällt auf, dass sie in zunehmendem Maße über sich selbst und die Schwierigkeiten ihrer selbstlosen Mission reden. Sie sehen sich zwar – angeblich mangels Auftrag hierzu – außerstande, die Urheber von in den Wohnvierteln von Donezk und Gorliwka einschlagenden Granaten und Raketen zu benennen. Aber wer sie in ihrer Tätigkeit behindert, das verzeichnen sie minutiös. Und meistens sind es die »Separatisten«, die sich schon dadurch unter Verdacht bringen, dass sie sich von einer Organisation, deren Parteilichkeit für den Gegner sie schon mehrfach erleben mussten, nicht immer und überall in die Karten schauen lassen wollen. Und diese »Separatisten« werden immer unverschämter.

So begab es sich am Mittwoch, dass beim Dorf Besymjannoje (»Namenlos«) östlich von Mariupol die Patrouille vor einem Steinhaufen halt machte, der auf der Straße lag. »Unweit davon standen vier Personen in einer militärähnlichen Uniform sowie eine weitere Person in einer militärähnlichen Jacke, die in Richtung der Beobachter schrie und mit einem Stein sowie einem metallischen Gegenstand wedelte.« So verzeichnete es die Mission in ihrem Tagesbericht vom Donnerstag. Von der bösen Absicht der vier herumstehenden Personen zeugt insbesondere der Umstand, dass eine von ihnen für ein sich näherndes Zivilfahrzeug die Steine beiseite räumte, nur, um sie anschließend wieder aufzutürmen.

Nicht, dass ein paar Steine, die ein Mensch mal eben wegräumen kann, für die Geländefahrzeuge der OSZE ein objektives Hindernis hätten sein können. Man wollte einfach wieder mal einen Vorwand finden, »die Patrouille abzubrechen«. Im Hotel in Donezk war offenbar das Bier schon kaltgestellt.

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