Aus: Ausgabe vom 19.05.2017, Seite 16 / Sport

E-Sports: Gleiche Probleme

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2007 wurde auf der CeBIT noch »Europas bester E-Sportler« ermittelt, heute machen das die Profis

Zocken zu jeder Tages- und Nachtzeit, die Augen immer auf den Bildschirm gerichtet und dabei stets voll konzentriert. Ja, das ist auch ein Sport. Und Doping braucht man da sowieso. Was man gar nicht so weiß, wenn man nicht gerade 13 Jahre alt ist: Mit dem elektronischen Sport (E-Sports) werden Millionen verdient. Es gibt Ligabetrieb (beispielsweise für »Counter-Strike«), Profimannschaften und damit Dopingprobleme. »Dieser Sport macht leider die gleichen Fehler wie alle anderen Sportarten auch. Er lässt Doping freien Lauf, denn es ist einfach kein Thema«, sagte Universitätsprofessor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln dem sid.

Dabei hatte es den ersten großen Aufreger bereits vor zwei Jahren gegeben. Im Juli 2015 sagte Kory »Semphis« Friesen, Profispieler des Strategie-Ego-Shooters »Counter-Strike« , in einem Interview, er und sein Team hätten vor einem Wettkampf auf Adderall zurückgegriffen, ein Arzneimittel zur Behandlung von ADHS, ähnlich wie Ritalin. Es hemmt den Hunger und fördert die Konzentration. Ob es stimmt oder ob Friesen nur Aufmerksamkeit erzeugen wollte, ist nicht bekannt. Später wurde der Kanadier wegen angeblich schlechter Leistungen aus seinem Team gestrichen.

Die E-Sports-Szene hat das gleiche Problem wie der Fußball und andere Sportarten: Sie kontrolliert sich praktisch selbst. Und auch Froböse weiß: »Solange die Transparenz in der Hand der Verbände und Unternehmen liegt, werden wir im Sport keine saubere Zukunft bekommen.« Mit der Internationalen E-Sports-Föderation gibt es in dieser Branche einen Weltverband. Dieser unterwirft sich offiziell dem Code der Weltantidopingagentur (WADA). Ernsthafte Kontrollen scheitern jedoch oftmals an zu hohen Kosten und fehlendem Personal, wie es meist heißt. Bisher gab es offiziell noch keinen positiv getesteten Athleten aus dem E-Sports-Bereich. Das kann zweierlei bedeuten: Entweder, dass der Sport und all seine Spieler sauber sind. Oder aber, dass die Kontrollen nicht effektiv und komplett unzureichend sind. (sid/jW)

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