Aus: Ausgabe vom 19.05.2017, Seite 7 / Ausland

Lehrer im Streik

Kolumbiens Pädagogen fordern ein gerechteres Bildungssystem. Regierung will nicht dafür bezahlen

Von Jan Schwab, Bogotá
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Auf den Barrikaden statt an der Tafel: In Kolumbien streiken Lehrer für bessere Arbeitsbedingungen (Bogotá, 16.5.2017)

Am Mittwoch sind die Verhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Lehrergewerkschaft ­Fecode fortgesetzt worden. Gleichzeitig befinden sich die Pädagogen weiterhin im Streik. Die Fecode hatte die 350.000 Lehrer am 10. Mai zu einer unbefristeten Arbeitsniederlegung aufgerufen und damit zwei Monate laufende Gespräche mit der Regierung über Verbesserung im desolaten Bildungsbereich unterbrochen.

Seit Donnerstag vergangener Woche kam es im ganzen Land zu Demonstrationen und Versammlungen der Lehrer, an denen sich auch Schüler, Studenten und Eltern beteiligten. Bisheriger Höhepunkt des Streiks war eine zentrale Großdemonstra­tion am Dienstag in der Hauptstadt Bogotá. Nach Fecode-Angaben nahmen daran mindestens 60.000 Lehrer teil. Angeschlossen hatten sich darüber hinaus Arbeiter des öffentlichen Dienstes sowie pädagogische Hilfskräfte.

Streitpunkte in den Verhandlungen sind unter anderem die finanzielle Ausstattung der Schulen sowie die Höhe des Lohns. Außerdem fordert die Fecode, dass Lehrer und Schüler eine bessere Gesundheits- und Essensversorgung erhalten. Die Gewerkschaft wirft der Regierung vor, dass diese sich nicht an eine 2015 getroffene Vereinbarungen halte. Damals hatte Bogotá einer Gehaltserhöhung von sieben Prozent für den öffentlichen Dienst zugestimmt. Doch bis heute haben die Lehrer davon nichts in ihrer Lohntüte bemerkt.

Andere Verhandlungsthemen betreffen die Arbeitssituation der Lehrer. Die Fecode forderte einen neuen Betreuungsschlüssel von maximal 15 Schülern pro Pädagogen. Zur Zeit müssen die Lehrkräfte sich um 35 bis 40 Jungen und Mädchen kümmern. Um eine Verbesserung zu realisieren, müssten laut Gewerkschaft die Haushalte der Regionen saniert werden.

Doch Bogotá zeigt sich uneinsichtig. »Die Regierung hat alle Verpflichtungen erfüllt, die sie eingegangen ist. Deswegen halten wir diesen Streik für unberechtigt«, erklärte Bildungsministerin Yaneth Giha gegenüber dem Sender Caracol Radio. Sie erhielt dabei Rückendeckung von Präsident Juan Manuel Santos. »Wir können ihnen nicht geben, was sie verlangen, weil wir die Mittel nicht haben«, sagte Santos am 10. Mai.

Die Gewerkschaft weist dies zurück. Ministerin Giha könne sich nicht damit herausreden, sie habe kein Geld. Das Finanzministerium solle endlich die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen, erklärte Gewerkschaftsführer Carlos Rivas. Aktivisten des Streiks verweisen zudem immer wieder darauf hin, dass sich die Regierung mit Verweis auf das Staatsbudget weigere, ihren Vereinbarungen im Bildungswesen nachzukommen, gleichzeitig aber der Militäretat trotz des Friedensabkommens mit der FARC auf einem hohen Niveau verbleibe. Wegen des fehlenden Entgegenkommens der Regierung rief die Fecode zu einem landesweiten Aktionstag am kommenden Dienstag auf.

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