Aus: Ausgabe vom 09.05.2017, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Druck auf Akzo-Nobel

Niederländischer Farbproduzent lehnt erneutes Übernahmeangebot des US-Konkurrenten PPG ab. Hedgefonds drängt auf Zustimmung

Von Dieter Schubert
miniature-1700629.jpg
Konzernlogik im Konkurrenzkampf: Wenn wir nicht genügend Umsatz generieren, kaufen wir ihn

Der niederländische Farbenhersteller Akzo-Nobel hat den US-Rivalen PPG auch mit seinem dritten Übernahmeangebot abblitzen lassen. Dennoch dürfte es für das Management des Amsterdam ansässigen Konzerns immer schwieriger werden, die Attacken des Rivalen zu parieren. Denn je höher die Angebote, desto gieriger auf Extraprofit dürften die eigenen Aktionäre werden. Vor allem der US-Hedgefonds Elliott Advisors des berüchtigten Finanzpiraten und Multimilliardärs Paul Singer (der u. a. 2016 Argentinien zur Bedienung alter Schuldscheine aus der Zeit vor dem Staatsbankrott 2001 zwang) macht Druck auf das Management.

Die Offerte von nunmehr knapp 27 Milliarden Euro sei ebenfalls zu niedrig, beschied Akzo-Nobel den US-Amerikanern am Montag. Gegen einen Zusammenschluss sprächen zudem wettbewerbsrechtliche Hürden und Unterschiede in den Unternehmenskulturen. Konzernchef Ton Büchner erklärte, ein Treffen mit PPG-Boss Michael McGarry am Sonnabend habe ihn darin bestätigt, dass das Nein die richtige Entscheidung sei.

Die zunehmend aggressiver werdenden Übernahmeversuche – nicht nur in der Chemiebranche – sind vor allem der schwachen Weltkonjunktur und einem gewaltigen Überangebot an Geld (Kredit) geschuldet. Die Weltkonjunktur lahmt, gigantische Profitmengen in privater Hand aus vorherigen Zyklen finden nicht genügend Anlagemöglichkeiten. Deshalb können fast alle großen Konzerne mit sogenanntem organischen Wachstum (also aus eigener Kraft) die Gewinnansprüche ihrer Eigner kaum noch befriedigen. Die Lösung: Konkurrenten werden geschluckt, damit wird der Markt bereinigt und die Chance erhöht, bessere Preise zu günstigeren Konditionen durchzusetzen.

Das trifft offenbar auch auf PPG zu. Die US-Amerikaner haben ihre Avancen mit der Aussicht auf »Einsparungen« von 750 Millionen Dollar (684 Millionen Euro) begründet. Der Konzern mit Sitz in Pittsburgh hatte sein Gebot für den Hersteller der Farbenmarke Dulux vor zwei Wochen auf 26,9 Milliarden Euro oder 96,75 Euro je Aktie aufgestockt. Das entspricht einem Aufschlag von 50 Prozent auf den Aktienkurs vom 8. März. Am Tag darauf war PPG erstmals an die Niederländer herangetreten und hatte 80 Euro geboten, später auf 90 Euro erhöht. Doch Akzo blieb hart, obwohl eigene Aktionäre, vor allem Elliott Advisors, das Unternehmen zu Gesprächen mit PPG drängten.

Im Kampf gegen die Übernahme will das Management der Niederländer unter anderem die Chemiesparte abspalten. Der Unternehmensteil soll innerhalb der nächsten zwölf Monate verkauft oder an die Börse gebracht werden, wie Akzo Mitte April angekündigt hatte. Das Geschäft mit Spezialchemikalien sorgt für ein Drittel des Umsatzes und des Gewinns. Analysten sehen seinen Wert bei rund acht Milliarden Euro. Die Erlöse aus der Abspaltung sollen großteils direkt den Aktionären zufließen. Die Unternehmensführung plant eine Ausschüttung von 1,6 Milliarden Euro, worin eine Sonderdividende von einer Milliarde enthalten ist. Das soll offenbar die eigenen Aktionäre davon abhalten, die Fronten zu wechseln.

Das hoffen auch die Gewerkschaften. Konzernchef Michael McGarry hatte bereits im März in einem Interview mit der niederländischen Wirtschaftszeitung NRC Handelsblad verkündet, PPG Industries habe in den letzten zehn Jahren 50 Unternehmen aufgekauft. Man habe auf dem Gebiet also eine große Erfahrung. Wie viele Jobs nach einer Fusion verlorengehen, wollte McGarry nicht sagen. »Das ist reine Spekulation, solange wir nicht verhandeln.« Jede Übernahme bringe nun einmal »leider Entlassungen mit sich«. (Quellen: Reuters, dpa)

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Kapital & Arbeit