Aus: Ausgabe vom 08.05.2017, Seite 1 / Titel

Bundeswehr ausmisten!

Die deutsche Kriegsministerin kennt die Neonazis in der Truppe ziemlich genau. Wehrmacht und heutige Armee haben schließlich das gleiche Angriffsziel

Von Arnold Schölzel
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Moskau, 24. Juni 1945: Fahnen von Wehrmacht und SS werden auf dem Roten Platz auf einen Haufen geworfen

Angeblich hatte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die einer seit längerem Krieg führenden Armee vorsteht, keinen blassen Schimmer, dass in der Truppe gewaltbereite Neonazinetzwerke aktiv sind und die Andacht vor Wehrmachtsdevotionalien zum guten Ton gehört. Merkwürdig nur: Frau von der Leyen weiß ziemlich genau, was sie angeblich nicht weiß. Jedenfalls erklärte sie am Freitag abend in den ARD-»Tagesthemen«, sie gehe davon aus, »dass das, was wir bisher wissen, nicht alles ist, sondern dass sich dort noch mehr zeigen wird«.

Zur Aufdeckung dieses »Mehr« ließ die Ministerin Generalinspekteur Volker Wieker anordnen, sämtliche Kasernen und Bundeswehr-Gebäude nach Wehrmachtsgedenkgegenständen zu durchsuchen. Das bestätigte das Ministerium einen Tag vor dem 8. Mai, nachdem Bild am Sonntag darüber berichtet hatte. Sollte etwas gefunden werden, müsse dies umgehend entfernt werden. Die Überprüfung soll nach Informationen des Blattes am 16. Mai abgeschlossen sein, am morgigen Dienstag ein Zwischenbericht vorgelegt werden. Von der Leyen sagte der Zeitung, ein »Weiter-so« komme nicht in Frage.

Zuvor hatte ihr Ministerium am Samstag den Fund von Wehrmachtsdevotionalien in der Fürstenberg-Kaserne Donaueschingen bestätigt. In einer Vitrine vor der Kantine waren demnach Stahlhelme ausgestellt. Ein Besprechungsraum war mit einer Art Bleistich eines bewaffneten Wehrmachtssoldaten sowie mit Orden und einem nachgebauten Maschinengewehr dekoriert, wie Spiegel online berichtete. Zuvor waren bereits in der Kaserne im elsässischen Illkirch, wo der des Terrorismus verdächtige Oberleutnant Franco A. stationiert war, ähnliche Trophäen in einem Freizeitraum entdeckt worden. In der Kaserne in Illkirch sollen zudem Bundeswehr-Soldaten im November 2012 ein vier Meter großes Hakenkreuz »auf den Boden gestreut« haben, wie Bild am Samstag berichtete. Dieser Vorfall sei damals gemeldet worden.

Bleibt die Frage: Was sind Neonazis in der Bundeswehr gegen deren Gründung – zehn Jahre nach dem durch Gewalt erzwungenen Ende der Wehrmacht? Sie sind nicht überraschend. Das Hauptangriffsziel beider Armeen war und ist schließlich das gleiche. Die Befreiung von der Bundeswehr steht noch aus.

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