Aus: Ausgabe vom 25.04.2017, Seite 2 / Feuilleton

»Unser Ziel ist eine Begegnungsstätte«

Seit zehn Jahren kümmert sich ein Verein um die Bilder und den Nachlass des bedeutenden DDR-Künstlers Walter Womacka. Gespräch mit Gerd Schulz

Interview: Frank Schumann
Wandbild_von_Walter_39792790.jpg
Das 90 Quadratmeter große Wandbild "Der Mensch, das Maß aller Dinge" des Malers Walter Womacka

Walter Womacka, der von 1925 bis 2010 gelebt hat, war einer der bedeutendsten Maler der DDR. Um sein Lebenswerk kümmert sich seit zehn Jahren ein Freundeskreis, der nunmehr seinen Sitz von Berlin nach Loddin auf der Insel Usedom verlegt hat. Sie sind seit einer Woche der neue Vereinsvorsitzende. Woher dieses Engagement?

Natürlich kenne ich Walter Womacka aus DDR-Zeiten vor allem durch meine Tätigkeit im Zentralrat der FDJ. Näher kennengelernt habe ich ihn in Kölpinsee, da er mit seiner Frau oft Gast unseres Strandhotels »Seerose« war. Eine besondere Beziehung ergibt sich auch daraus, dass viele seiner Bilder direkt vor unserem Hotel entstanden sind, so das wohl berühmteste Werk »Am Strand«, von dem eine von Walter Womacka gefertigte zweite Version seit 2013 im Hotel zu sehen ist. Viele Einwohner unseres Seebades verbinden mit ihm persönliche Erlebnisse und Erinnerungen. Legendär waren seine Grillfeste mit Loddiner Fischern und Bauern.

Sie haben – nach Andre Eckart und Fritz Böhme – als nunmehr dritter Vereinsvorsitzender quasi die Verantwortung für die Pflege des Womacka-Erbes übernommen. Sind Sie beruflich nicht ausgelastet?

Gewiss bin ich das, aber der Verein hat in dem zurückliegenden Jahrzehnt viel bewegt. Insbesondere an die Aktivitäten zur Rettung des Wandbildes »Der Mensch, das Maß aller Dinge« im Zusammenhang mit dem Abriss des Ministeriums für Bauwesen möchte ich erinnern. Der Freundeskreis sorgte dafür, dass seit 2013 das aus 360 Emailleplatten bestehende Wandbild wieder zu sehen ist: an einer Hauswand in der Friedrichsgracht unweit des früheren Wohnhauses und Ateliers von Womacka.

An diese Aktivitäten anknüpfend gilt es eine Lösung zu finden, um das Werk von Walter Womacka dauerhaft zu würdigen und zu pflegen. Womackas Familie, auf Zypern lebend, hat sich noch nicht entschieden, was mit dem materiellen und ideellen Erbe von Walter Womacka passieren soll. Deshalb habe ich die Betreuung seines Anwesens in Loddin, in welchem er seit den 60er Jahren in jedem Sommer lebte und arbeitete, übernommen, den schriftlichen Nachlass sowie die im Familienbesitz befindlichen Bilder eingelagert. Unser Ziel ist es, auf dem Grundstück eine Begegnungsstätte für Künstler und Kunststudenten zu schaffen, die auch eine Ausstellungshalle beinhaltet, da die Schau in unserem Hotel wegen der räumlichen Situation nur eine Zwischen- aber keine Dauerlösung sein kann.

Um die Ecke von Loddin/Kölpinsee liegt das Museum Niemeyer-Holstein mit Atelier und Galerie. Wäre das nicht ein Modell?

Sie dürfen nicht vergessen, dass Otto Niemeyer-Holstein – wie Walter Womacka Mitglied der Akademie der Künste der DDR – bereits 1984 verstarb und testamentarisch verfügt hatte, dass nach seinem Tod das Anwesen so erhalten bleiben sollte, wie es zu Lebzeiten war. Die DDR sorgte dafür. Heute stehen leider für die Einrichtung eines derartigen Gedenkateliers keine öffentlichen Mittel zur Verfügung. Also bleibt aus meiner Sicht nur die Aufarbeitung und Sicherung des Womacka-Erbes – welches ja auch ein bedeutender Teil der DDR-Kunst ist – auf rein privatwirtschaftlicher und altruistischer Basis.

Eine noch zu Lebzeiten Womackas angedachte Stiftung kam nicht mehr zustande. Wäre das eine Option?

Es ist ja nicht damit getan, eine solche Rechtsform zu begründen. Es bedarf dazu Startkapitals und permanenter Zuflüsse aus Eigenerwirtschaftung, Zuschüssen und Spenden. Wenn dies nicht gesichert ist – wie in unserem Falle absehbar –, hat ein solches Unterfangen keine Perspektive. Die Möglichkeit, beispielsweise Mittel durch die Errichtung von Ferienhäusern auf dem sehr weitläufigen Womacka-Anwesen zu generieren, hat seinerzeit er und jetzt der Gemeinderat durch entsprechende Entscheidungen verworfen. Also müssen wir im Rahmen des Freundeskreises e. V. nach neuen Wegen suchen. Dabei sind wir für Anregungen und Unterstützung sehr aufgeschlossen.

Gerd Schulz führt in Kölpinsee auf Usedom ein Hotel und ist Vorsitzender des Vereins Freundeskreis Walter Womacka e. V., der sich über Anregungen und Unterstützung freut und dafür unter folgender Adresse erreichbar ist:

c/o Strandhotel Seerose, Strandstraße 1, 17459 Seebad Kölpinsee/Loddin

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Mehr aus: Feuilleton