Aus: Ausgabe vom 22.04.2017, Seite 8 / Ansichten

Seehofer des Tages: Horst

Von Claudia Wrobel
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Ein Wochenende voller Bangen, Hoffen und Warten liegt vor der Republik: Wer wird am Montag als zukünftiger Ministerpräsident von Bayern präsentiert, der Horst oder der Seehofer? Die Stimmen mehren sich, die davon ausgehen, dass er eben nicht – wie angekündigt – einen geordneten Rückzug an der Spitze der CSU und des Freistaats orchestrieren wird. Dabei hatte er noch im Januar 2015 im Brustton der Überzeugung erklärt: »Was meine Person angeht, bleibt es dabei: Ich werde bei der nächsten Landtagswahl nicht mehr kandidieren.« So klar klingt das nicht mehr. »Mein Amt macht mir Freude, es ist das schönste auf der Welt«, ertönte es von ihm laut Süddeutscher Zeitung unlängst in einem Festzelt. Aber wer will es ihm verdenken, niemand kann das Land lenken wie er.

Bester Beweis für seine gute Amtsführung ist das beständig hervorragende Abschneiden des FC Bayern München. Auch das Oktoberfest, Europas größter legaler Drogenumschlagplatz, hat sich erst unter seiner Ägide zum Publikumsmagneten entwickelt, bei dem die Besucher jedes Jahr bereit sind, noch mehr Geld für schales Bier zu zahlen. Und bald soll sogar Schloss Neuschwanstein in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen werden. Wen interessieren da so Kleinigkeiten wie das Gezerre um die Hypo Alpe Adria und die Verluste, die die Landesbank deshalb verbuchen musste.

Zumindest eine Sache muss man Seehofer zugute halten: Durch sein Festklammern an der Macht verhindert er, dass Markus Söder, bayerischer Finanzminister, eine noch größere Bühne bekommt. Das ist zwar, an sich genommen, schon eine zivilisatorische Leistung, lässt aber eine dunkle Bedrohung offen: Söder könnte in die Bundespolitik abwandern.

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