• Pol & Pott

Aus: Ausgabe vom 15.04.2017, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Zucchinicreme mit Thunfisch

Zucchinicreme mit Thunfisch

Von Ina Bösecke

» Ich gucke gern«, lautet der Lieblingssatz von Chance, dem Gärtner, gespielt von Peter Sellers in seinem vorletzten Film, »Willkommen Mr. Chance« (USA 1979) von Hal Ashby. Er meint damit, dass er gern fernsieht. Gern ist allerdings untertrieben. Der Mann, der nicht lesen und schreiben kann und von sehr schlichtem Gemüt ist, schaut von morgens bis abends. Bereits kurz nach dem Aufwachen wird das TV-Gerät eingeschaltet.

Die Gartenarbeit für einen wohlhabenden Mann in Washington D. C. unterbricht den Genuss, aber spätestens bei den Mahlzeiten ist Chance wieder beim Schauen. Er zappt von einem zum anderen Programm, glotzt einfach oder mimt die Bewegungen der Leute im Fernseher nach. Sich selber ein Essen machen kann er nicht, die Haushälterin muss das übernehmen. Doch das glückliche Fernsehleben von Chance wird jäh unterbrochen, als sein Dienstherr stirbt.

Wo soll so einer hin? Er trägt die Kleidung des reichen alten Herrn, auch wenn sie aus den 40er Jahren stammt. Mit Hut, Anzug und Koffer sieht er wie ein Aristokrat aus, völlig deplaziert in der heruntergekommenen Gegend Washingtons, die er nun zu Fuß durchquert. Klar, dass er für Aufsehen sorgt. Aber seine Tumbheit ist so groß und so stoisch, dass er sämtliche Angriffe der aggressiven Umwelt abwehren kann, ohne das auch nur zu bemerken.

ann wird er von einer Edelkarosse angefahren. Drinnen sitzt Eve Rand (Shirley MacLaine), die Frau eines superreichen Geschäftsmannes. Sie nimmt ihn mit in ihre Villa. Hier passiert nun das Wunder. Auf den regen Geist von Benjamin Rand (Melvyn Douglas), der schwer krank ist, wirken die einfältigen Gedanken, die sich im wesentlichen nur um das Gärtnern drehen, so revolutionär friedlich und weise, dass er ihn zu seinem Berater auswählt. Rand wiederum ist ein Berater des Präsidenten. Natürlich lässt dieser sich nun auch von Chance über das weltpolitische Geschehen belehren. Zeitungen und Fernsehen möchten den Mann, der nichts weiß und nichts fühlt, interviewen. Und Eve Rand verliebt sich in Chance, der so keusch wie ein Kind ist und das Küssen vom Fernsehen lernt. Vor 38 Jahren war die Welt offensichtlich auch schon plemplem.

Es wird fein gegessen im Hause Rand, zum Beispiel Zucchinicreme mit Thunfisch: 500 g Zucchini waschen, in Stücke schneiden. Gemüse dünsten, es muss noch bissfest sein. Mit kaltem Wasser abschrecken, abtropfen lassen. Mit 500 ml Geflügelbrühe und etwas Olivenöl pürieren. Ein halbes Bund Kerbel, ein halbes Bund Schnittlauch, ein Zweig Estragon fein hacken, ebenso eine Schalotte und 50 g Kapern. 350 g Thunfisch in sehr kleine Würfel schneiden. Salzen, pfeffern, beiseite stellen. Vier sehr kleine Auflaufformen mit Öl einpinseln. Thunfisch, Kapern, Kräuter, Salz und Pfeffer mit etwas Olivenöl mischen, in die Auflaufformen zu flachen runden Portionen formen. Eine Porreestange waschen, ein weißes, sechs cm langes Stück in sehr schmale Streifen schneiden. Dieses »Engelhaar« frittieren, bis es knusprig braun ist, auf den Thunfischtartar häufen. Tartarscheiben in die Mitte eines tiefen Tellers legen, Sauce angießen.

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Mehr aus: Wochenendbeilage
  • Ein Gespräch mit Christian Arndt. Über evangelische Militärseelsorge, die Heimlichtuerei um deren Entstehung nach 1945 und die Absegnung von Kriegseinsätzen
    Kristian Stemmler
  • Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus dem Exil trug Lenin am 17. April (greg.) 1917 dem Petrograder Sowjet sein politisches Programm vor: Die »Aprilthesen«
  • Arnold Schölzel
  • Auf dem fünften Kontinent stößt der Besucher auch auf die Vergangenheit des Landes als britische Sträflingskolonie
    Thomas Berger
  • Berichte und Rezepte aus dem Spanischen Krieg
    Anonym