Aus: Ausgabe vom 11.04.2017, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Thyssen-Betriebsräte befürchten Kahlschlag

Bei Stahlsparte des Dax-Konzerns drohen größere Jobverluste als bisher angenommen

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Mehrere Hundert Jobs bedroht: Stahlarbeiter von Thyssen-Krupp im Werk Bochum

Die Lage scheint bedrohlicher als angenommen: Die Beschäftigtenvertreter des deutschen Industriekonzerns Thyssen-Krupp bangen im Zuge eines von der Unternehmensleitung angekündigten »Sparprogramms« um zahlreiche Arbeitsplätze in der Stahlsparte des Unternehmens. »Wir befürchten, dass die Zahl viel größer sein wird als bislang bekannt«, sagte der Betriebsratschef des Unternehmensbereiches, Günter Back, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Er warf dem Vorstand des im deutschen Börsenleitindex Dax gelisteten Konzerns eine Salamitaktik vor. Back zufolge sollen durch die sofortige Schließung von insgesamt zwei Anlagen an den Konzernstandorten Bochum und Duisburg bis zu 350 Jobs gestrichen werden. Das sei aber nicht alles. Vor allem in den Bereichen Verwaltung, Logistik, Instandhaltung, Reparatur und Vertrieb könne es zu einem Kahlschlag kommen. Dort sind Tausende Mitarbeiter beschäftigt.

Thyssen-Krupp hatte am Freitag angekündigt (jW berichtete), im Stahlbereich über drei Jahre die Kosten um rund 500 Millionen Euro reduzieren zu wollen. Wie viele Jobs gestrichen würden, sei noch unklar. Die Unternehmenssparte Thyssen-Krupp Steel Europe beschäftigt rund 27.000 Mitarbeiter. Am 4. Mai soll deren Aufsichtsrat über die Pläne beraten, wie Reuters aus Kreisen des Gremiums erfuhr. »Um Standortschließungen vermeiden zu können, müssen wir alle beeinflussbaren Kosten überprüfen und alle denkbaren Einsparmaßnahmen entschlossen angehen«, hieß es in einem Schreiben des Stahlvorstands an die Mitarbeiter.

Die Verunsicherung der Beschäftigten sei groß, sagte Back. In den nächsten Tagen könne es durch Informationsveranstaltungen zur Einschränkung der Produktion kommen. Die Mitarbeiter hätten das Recht, sich zu informieren. Die Infoveranstaltungen könnten mehrere Stunden dauern. Streiks seien nicht geplant, da sie ein Mittel bei Tarifauseinandersetzungen seien. In dem von der Teilschließung bedrohten Grobblechwerk Duisburg-Hüttenheim stand nach Angaben des dortigen Betriebsratschefs Werner von Häfen die Produktion wegen der Infoveranstaltungen am Freitag, Sonntag und Montag jeweils für mehrere Stunden still. Geplant sei zudem eine außerordentliche Belegschaftsversammlung. Über das weitere Vorgehen wollen die Betriebsräte am Dienstag mit der IG Metall beraten. (Reuters/jW)

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