Aus: Ausgabe vom 25.03.2017, Seite 1 / Ausland

ELN-Comandante erschossen

Kolumbiens Präsident Santos bejubelt Armeeaktion. Friedensprozess gefährdet

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Falsche Versprechungen: ELN-Kämpfer geben in Buenaventura ihre Waffen ab (18.10.2016)

In Kolumbien haben Soldaten bei einem Gefecht im Süden des Departamentos Bolívar einen hochrangigen Kommandeur der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) getötet. Álvaro Gelves Ortega, der unter seinem Kampfnamen »Jairo« bekannt war, hatte an der Spitze der José-Antonio-Galán-Front der Guerillaorganisation gestanden. Kolumbiens Staatschef Juan Manuel Santos verkündete den Tod des Aufständischen über den Internetdienst Twitter und beglückwünschte die Sicherheitskräfte dazu, ihn »neutralisiert« zu haben. Polizeichef Jorge Nieto teilte mit, bei dem Gefecht sei auch Jairos persönlicher Leibwächter getötet worden. Über weitere Einzelheiten informierten die Behörden des südamerikanischen Landes nicht.

Die ELN äußerte sich zunächst nicht zum Tod Jairos. In Kolumbien wird befürchtet, dass der Angriff der Armee die Ende vergangenen Jahres aufgenommenen Friedensgespräche zwischen der Guerilla und der Regierung gefährden könnte. Bereits am Donnerstag (Ortszeit) hatten Sprecher der ELN vor einem Scheitern gewarnt und erklärt, dass die anhaltende Repression gegen linke Bewegungen in Kolumbiens die Zweifel am Friedenswillen der Regierung wachsen lasse. »Es fällt auf, wie ineffektiv die Staatsanwaltschaft dabei ist, Aktionen gegen die Paramilitärs einzuleiten, die zahlreiche Regionen des Landes terrorisieren, während sie alle Kraft einsetzt, um soziale Aktivisten zu verfolgen«, heißt es in dem Statement, das von zwei Sprechern verlesen und als Video im Internet verbreitet wurde. Der Friedensprozess brauche dringend »humanitäre Aktionen«, um die Intensität des Konflikts zu verringern. Erneut verlangte die Guerilla einen bilateralen Waffenstillstand.

Die ELN ist neben den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) die zweite große Guerillaorganisation des Landes. Sie entstand in den 60er Jahren unter dem Eindruck der Revolution in Kuba und der Guerillatheorien Che Guevaras. Ihre heutige Stärke wird auf mehrere tausend Kämpfer geschätzt. (jW)

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