Aus: Ausgabe vom 21.03.2017, Seite 8 / Ansichten

Pausenverlängerer des Tages: Kiffende Monteure

Von Johannes Supe
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Wie viele Arbeiter braucht man, um ein BMW-Werk stillzulegen? Zwei reichen locker. Das haben Anfang März Monteure bewiesen, und derer eben zwei. Gemeinsam stoppten sie die gesamte Montage. Bekannt wurde der Fall erst am Montag. »Nichts ging mehr bei den Motorenwerken«, berichtete Bild. Etwa 40 Minuten sollen die Bänder stillgestanden haben. Über den Schaden, den die Lahmlegung verursachte, wird noch gestritten. Gegenüber der Deutschen Presseagentur bezifferte ein BMW-Sprecher den Verlust auf »einen mittleren fünfstelligen Betrag«. Wie so oft will Bild es aber besser wissen: »Mega-Schaden von rund einer Million Euro!«

Eine gelungene Kampfaktion der Gewerkschaft? Individueller Protest gereizter Arbeiter? Denkste. Ein Drogenexzess! Der eine Arbeiter soll gesoffen haben, der Alkoholgehalt in seinem Blut betrug wohl ein Promille. Der andere Kollege schoss sich offenbar mit Amphetaminen ab. Als die Auspuff-Monteure in der Pause dann noch einen Joint pafften, war die Sache gelaufen. Noch vor dem Schichtende kollabierten beide. Es folgten Notarzt und Rettungswagen.

Also ein Fall für den noch zu gründenden neuen Abstinenzlerbund der Werktätigen? Arbeiter, meide den Schnaps – und das Gras erst recht?! Das wäre zu oberflächlich gedacht. Natürlich, niemandem ist der Kollaps zu wünschen; die verlängerte Pause, die das ruhende Werk für die Kollegen bedeutete, hat jedoch schon ihren Reiz. Und selten ist das mit weniger Kampfgeist erreicht worden als Anfang März in München. Zeit also für eine neue Parole: Kifft, bis die Bänder ruhen!

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