Aus: Ausgabe vom 15.03.2017, Seite 5 / Inland

Alles in Ordnung bei VW

Bilanz in Wolfsburg vorgestellt. Manager kassieren Millionen. Dieselskandal abgehakt

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Produktion im Wolfsburger Hauptwerk (9. März)

In Wolfsburg wurde am Dienstag die Jahresbilanz des VW-Konzerns vorgestellt. Zwar sei bei der Kernmarke der Verkauf eingebrochen, wegen der ertragreichen Tochterkonzerne Porsche und Audi erzielte der Konzern im vergangenen Jahr dennoch einen satten Gewinn.

Der Umsatz der VW-Gruppe stieg 2016 um knapp zwei Prozent auf 217,3 Milliarden Euro, unterm Strich betrug der Gewinn 5,1 Milliarden Euro – nach einem Milliardenverlust ein Jahr zuvor. Beim Absatz wurde der Rivale Toyota durch 10,39 Millionen verkaufte Pkw überholt. Das Betriebsergebnis der Autos mit VW-Logo ging 2016 um 11,1 Prozent auf rund 1,9 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz schrumpfte leicht um 0,6 Prozent auf 105,7 Milliarden Euro. Bei Audi machten sich zuletzt der harte Wettbewerb und hohe Kosten für neue Technologien bemerkbar. Sie drückten den Gewinn im laufenden Geschäft – noch vor Sondereinflüssen vor allem aus der Dieselkrise – um 5,6 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Die Milchkuh des Unternehmens war Porsche: Der Sport- und Geländewagenbauer fuhr operativ ein Plus von 13,9 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro ein.

Mit dem im November 2016 beschlossenen Umbauprogramm »Zukunftspakt« will der Konzern seine Kernmarke rentabler machen. Die jährlichen Kosten sollen so bis 2020 um rund 3,7 Milliarden Euro sinken. Vorgesehen ist, in den nächsten Jahren bis zu 30.000 Stellen zu streichen. Der Vorstandsvorsitzende Matthias Müller sagte, der Pakt sei zusammen mit der neuen Strategie 2025 »das Fundament für eine kraftvolle Neuausrichtung unserer Kernmarke«.

Die Manipulation der Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen scheint der Konzern weitestgehend unter den Teppich gekehrt zu haben. »Wir haben gegengehalten und trotz allem eine neue Bestleistung im operativen Geschäft abgeliefert«, äußerte Müller zu den Gesamtzahlen. Der Rückruf der weltweit über elf Millionen frisierte Wagen quer durch die Marken schreite voran: »Allein in Deutschland haben wir inzwischen mehr als 1,5 Millionen Konzernfahrzeuge umgerüstet, weltweit sind es bereits vier Millionen.« Der Vorstandschef bekräftigte das Ziel, bis Ende 2017 alle Autos »in Ordnung zu bringen«. Die Bosse kassierten trotz des Skandals ordentlich ab, bereicherten sich allerdings auf niedrigerem Niveau. Hatten sie sich 2015 mit 63 Millionen Euro am Betriebsvermögen bedient, genehmigten sich die Manager in diesem Jahr »nur« 39,5 Millionen Euro.

KritischeTöne kamen vom stellvertretenden Vorsitzenden der Linksfraktion, Klaus Ernst. Er kommentierte, die Gewinnmitnahme der VW-Nomenklatura sei »kein Pappenstiel«. Dies gelte vor allem, weil die VW-Führung ihre Leistung nicht erbracht habe. »Sie hat weder den Abgasskandal aufgeklärt noch die deutschen Kunden entschädigt oder irgendeinen Verantwortlichen der Chefetage persönlich zur Rechenschaft gezogen«, erklärte Ernst in einer Pressemitteilung. Es sei unerträglich, dass Tausende VW-Beschäftigte mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes für die kriminellen Machenschaften der Führungsebene beim Abgasbetrug bezahlen werden. (dpa/jW)

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