Aus: Ausgabe vom 08.03.2017, Seite 6 / Ausland

Neu-Delhis neue Freunde

Indien und Israel verstärken Zusammenarbeit. Kooperation im Rüstungsbereich

Von Thomas Berger
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Israels Präsident Reuven Rivlin (links) und Indiens Premierminister Narendra Modi am 15. November in Neu Delhi

Narendra Modi wird im Juli zu einer historischen Reise aufbrechen: Als erster indischer Regierungschef will er einen Staatsbesuch in Israel absolvieren. Über das genaue Datum schweigen sich beide Seiten zwar noch aus. Erste Vorbereitungsgespräche hat es laut Medienberichten aber schon gegeben. Das anstehende Ereignis ist von einem Jubiläum getragen – 25 Jahre war es Ende Januar her, dass beide Länder diplomatische Beziehungen aufnahmen. Mit dem Staatsbesuch würde Modi, Chef der regierenden hindunationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP), seinem Land ein weiteres Abrücken von dessen traditioneller Solidarität mit den Palästinensern verordnen.

Als die damals regierende Kongresspartei (INC) 1992, auch unter US-amerikanischem Druck, erstmals Botschafter mit Israel austauschte, war noch davon die Rede, dass dies an den traditionell guten Beziehungen in die arabische Welt nichts ändern werde. Bei der derzeit in Delhi tonangebenden BJP, die eine islamfeindliche Grundhaltung hat, könnte das anders aussehen. Vergangene Woche weilte bereits Indiens Nationaler Sicherheitsberater Ajit Doval zu einem mehrtägigen Besuch in Tel Aviv. Neben seinem Amtskollegen Joseph Cohen, der auch Geheimdienstchef des Mossad ist, traf er ebenfalls mit Premier Benjamin Netanjahu zusammen, schrieb die Tageszeitung Hindustan Times am vergangenen Freitag. Vertreter des Außenamtes sollen folgen.

Am Sonntag besiegelten Israels Tourismusminister Jariv Levin und Ashwani Lohani, Vorstandschef von Air India, zudem ein Abkommen, wonach die staatliche indische Fluggesellschaft ab Mai dreimal wöchentlich Tel Aviv anfliegen wird. Beide Seiten erhoffen sich damit einen weiteren Anstieg des wechselseitigen Tourismus. Unlängst wurde das erste offizielle israelische Tourismusbüro in der Metropole Mumbai eröffnet, zudem wurde eine 1,5 Millionen Dollar schwere Werbekampagne gestartet.

Wichtigster Sektor der Koopera­tion bleibt jedoch die Rüstungsbranche. Indien ist weltweit die Nummer eins unter den Waffenkäufern, und daran verdienen auch die einschlägigen israelischen Anbieter nicht schlecht. Erst Mitte Februar hat das Kabinett in Delhi für den jüngsten Auftrag grünes Licht gegeben: Vom Abwehrsystem MR-SAM alias Barak-8 mit Boden-Luft-Raketen wollen die Inder 40 Stück erwerben. 2023 sei die erste Auslieferung geplant, heißt es. Schon bei der Entwicklung haben Israel Aerospace Industries (IAI) und Defence Research and Development Organization (DRDO), Indiens wichtigste Einrichtung zur militärischen Forschung, zusammengearbeitet.

Auch bei einem weiteren Raketensystem mit der Abkürzung LR-SAM, das für die Marine vorgesehen ist, gibt es eine direkte Partnerschaft. Besonders stolz ist die Modi-Regierung zudem auf den Vertrag, der im Februar auf der Luftfahrtmesse im südindischen Bangalore abgeschlossen wurde. Dabei geht es um eine Kooperation zwischen IAI, Israels größtem Rüstungskonzern, und dem indischen Luft- und Raumfahrtunternehmen Dynamatic Technologies Ltd. Damit ist ein Technologietransfer verbunden: Die indische Seite wird in Lizenz unbemannte Flugkörper, beziehungsweise Drohnen, im Inland bauen – und diese dann mit dem Label »Made in India« versehen können.

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