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Aus: Ausgabe vom 19.02.2011, Seite 16 / Aktion

Marsch verhindern

Blockaden sind das Spezialgebiet der jungen Welt. Nicht, daß wir sie alle lieben, aber Neonazis und Atommüll muß man aufhalten. Andere Blockaden hingegen hassen wir und wollen sie beseitigen
Von Andreas Hüllinghorst
Neidische Blicke eines Ordnungshüters: Ein Demonstrant
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Neidische Blicke eines Ordnungshüters: Ein Demonstrant gegen die diesjährige »Sicherheitskonferenz« in München liest jW
Aktuell arbeitet eine Abordnung der jungen Welt in der Karibik. In diesen Tagen endet dort die 20. Buchmesse in Havanna. Selbstredend gehören wir auch zur deutschen Delegation von Gewerkschaften, Organisationen der Kuba-Solidarität und linken Verlagen um das »Berliner Büro Buchmesse Havanna« herum. Als die SPD-Grünen-Regierung 2004 die Teilnahme der BRD an dieser Messe blockierte – angeblich zur Wahrung von Freiheit und Menschenrechten –, organisierten wir mit Hilfe der Solidaritätsbewegung für Kuba die Beteiligung deutscher Verlage in Havanna. Bis zu 56 deutschsprachige Verlage beteiligten sich jeweils in den Jahren 2004 bis 2007 an den vom Büro geplanten Auftritten und machten damit den Boykott der Bundesregierung wirkungslos. Seit 2008 darf nun die Internationale Abteilung der Frankfurter Buchmesse wieder offiziell einen deutschen Auftritt in Havanna organisieren – im Auftrag des Auswärtigen Amtes der Bundesregierung. An der Auflösung der seit über 50 Jahren währenden Wirtschaftsblockade durch die USA arbeiten wir noch.

Medienblockade

Um eine andere Blockade geht es letztendlich bei der LiMA 2011, der 8. Akademie für Journalismus, Bürgermedien, Öffentlichkeitsarbeit und Medienkompetenz, vom 9. bis 13. März im HTW-Campus in Berlin (www.linke-medienakademie.de). Zusammen mit vielen anderen linken Medien wie dem Freitag, dem Neuen Deutschland und der Tageszeitung bietet die junge Welt ein Forum für Journalisten, Redakteure von Bürgermedien, Betriebs- und Stadtteilzeitungen sowie für Blogger, Flugblattschreiber und interessierte Laien. Wir wollen lernen und uns darüber austauschen, wie linke Medien qualitativ gewinnen können. Die Menschen im Land sollen immer mehr an den zahllosen Desinformationen der bürgerlichen Medienmacht zweifeln.

Schon ein Wochenende später startet der nächste Blockadeeinsatz der jungen Welt: Auf der Leipziger Buchmesse werden Verlagsvertreter, Journalisten und Politiker über das diesjährige Schwerpunktland Serbien sprechen. Das im Dezember mit der ehemaligen Teilrepublik Jugoslawiens abgeschlossene Stabilisierungs- und Assoziationsabkommen loben diese Leute als wichtigen Schritt und große Chance für Serbien. Wir legen dagegen das Papier als neoliberalen Akt offen, der zu Liberalisierung und Deregulierung von Staat und Markt und damit zur weiteren Verarmung der Bevölkerung führen wird. Hauptsächlich wollen wir aber am Sonntag, dem 20.März, zusammen mit dem Wiener ProMedia-Verlag und dem Zambon Verlag aus Frankfurt/Main über den NATO-Angriff auf Jugoslawien aufklären: »Zielscheibe Serbien – Krieg, Kontrolle und Siegerjustiz durch die NATO« heißt das Motto für sechs Lesungen aus »unbequemen Büchern« – unter anderem mit dem in den Niederlanden wohnenden Journalisten Germinal Civikov.

Am heutigen Sonnabend aber geht es in Dresden um eine positive Blockade. Den Neonazis soll es nicht gelingen, ihren Marsch für eine erbärmliche Geschichtsklitterung durchzusetzen. Der Krieg begann nicht mit dem Angriff der Alliierten auf Dresden, sondern 1939 durch den Überfall der Wehrmacht auf Polen. Der Kampf der späteren Siegermächte gegen Nazideutschland war ein Verteidigungskrieg. Hitler und der Reichswehr war das Schicksal der Dresdener gleichgültig, sie zogen die schützenden Fliegerstaffeln ersatzlos ab, um sie gegen die Rote Armee einzusetzen. Das sind Fakten, von denen Neonazis nicht einmal den Hauch einer Ahnung haben. Ihre Organisationen müssen verboten werden. Ihr ganzes Vorgehen ist nichts als ein von Kapital und Politik geduldeter, erneuter Angriff auf das bißchen Demokratie in diesem Land. Hier in Dresden können sie nur durch richterlichen Segen und Polizeigewalt die Stadt mit ihrer demagogischen Grölerei verdrecken. Lassen wir sie nicht durch!

Der Blockadenachbar

Manche haben diese Ausgabe der jungen Welt möglicherweise schon im Bus nach Dresden gelesen, vielleicht sitzen sie gerade auf ihr, um den Neonazis den Weg zu blockieren oder sie stecken sie unter ihre Kleidung, um vor Bullenknüppeln wenigstens etwas geschützter zu sein. Die junge Welt steht an ihrer Seite. Seit der ersten Ausgabe vor beinahe genau 64 Jahren kämpft sie mit der weltweiten antifaschistischen Bewegung gegen alte und neue Nazis. Wir meinen: Jede Antifaschistin und jeder Antifaschist braucht die junge Welt. Besorgen Sie sich mit dem nebenstehenden Formular das kostenlose und nach drei Wochen automatisch endende Blockadeabo. Und der Sitznachbar soll auch eins kriegen. Am besten also gleich zwei nehmen.


Andreas Hüllinghorst ist Leiter des Verlags 8. Mai GmbH

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