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Leserbrief zum Artikel Nahrungsmittelbranche in der BRD: Klöckners Showgipfel vom 27.06.2020:

Schweinepest

Mit dem Verbot von Werkverträgen in der Fleischverarbeitung wird das Elend in keiner Weise beendet sein. In Jobcentern und Agenturen für Arbeit stranden Menschen aus Polen, Bulgarien, Rumänien usw., angeworben von Zeitarbeitsfirmen (z. B. das Unternehmen mit dem trügerischen Namen »Fair Pax«), die eigens dazu gegründet wurden, Menschen direkt in ihrer Heimat zu ködern – mit dem Versprechen eines Jobs in der Verpackungsindustrie. Einmal in Deutschland, werden ihre Erwartungen enttäuscht mit der Aussage, dass derzeit alle Stellen besetzt seien – dafür aber noch Mitarbeiter in der Fleischzerlegung gesucht würden. Dort drängt man sie dann unter miesesten und ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in Akkordarbeit; dabei sind Frauen neben körperlich schwerer Arbeit zusätzlich extremen Ausmaßen sexueller Belästigung durch Kollegen und Vorgesetzte ausgeliefert. Werden diese Menschen dann auch noch arbeitsbedingt wegen Überlastung krank, schiebt man ihnen einen Aufhebungsvertrag unter die Nase – kaum der deutschen Sprache mächtig, geschweige denn der Schrift, unterschreiben sie notgedrungen. Und werden durch den nächsten ersetzt. So oder ähnlich reihenweise passiert nicht bei Tönnies, sondern bei der Konkurrenz. Es ist nicht nur das Prinzip Tönnies. Es ist das Prinzip aller Schlachthöfe. Es ist die Manifestierung des Kapitalismus.
Birgit Armbruster
Veröffentlicht in der jungen Welt am 04.07.2020.
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